FAZ plus ArtikelIrakischer Autor Sinan Antoon

Der Westen will uns im Klischee fixieren

Von Lena Bopp
14.01.2020
, 21:23
Regierungsfeindliche Demonstranten bei einer Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Bagdad
Der Blick von außen mit dem Wissen von innen: Ein Gespräch mit dem irakischen Schriftsteller Sinan Antoon über die Zukunft seines Heimatlandes.
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Sinan Antoon, Sie haben von Anfang an sehr hoffnungsvoll auf die Proteste im Irak geschaut. Was wird nach der Tötung des iranischen Milizenführers Soleimani von ihnen übrig bleiben?

Eine der wichtigsten Forderungen der Demonstranten bezieht sich auf Souveränität. Die Leute wollen die Hoheit über ihr Land und seine Ressourcen zurück, und sie weisen alle ausländische Beeinflussung zurück, sowohl aus Iran als auch aus Amerika. „Weder Iran noch Amerika“, rufen sie in Bagdad, Basra und Nasiriyya. Der Tötung Soleimanis und die iranische Vergeltung sind beides Verletzungen der irakischen Souveränität, und sie zeigen einmal mehr, wie schwach, wenn nicht sogar verräterisch, das irakische Regime ist. Die Gefahr eines neuen Kriegs droht von der Protestbewegung abzulenken, und sie hat einigen Milizen, etwa in Nasiriyya, emöglicht, Demonstranten anzugreifen. Aber ich glaube, deren Entschlossenheit und Widerstandskräfte sind stärker.

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Zur Person

Der Schriftsteller Sinan Antoon wurde 1967 als Sohn einer amerikanischen Mutter und eines irakischen Vaters in Bagdad geboren. Seit 1991 lebt und arbeitet er in New York, schreibt seine Bücher aber weiterhin auf Arabisch; sie sind alle ins Englische übersetzt worden. Im vergangenen Jahr erschien in den Vereinigten Staaten sein Roman „Book of Collateral Damage“ (Yale University Press). In deutscher Übersetzung liegt bislang Antoons Roman „Irakische Rhapsodie“ vor (Lenos Verlag, 2009). 2003 kehrte er in seine Geburtsstadt zurück, um dort den Dokumentarfilm „About Bagdad“ zu drehen, für den er Hunderte Iraker unterschiedlicher Klassen über ihre Sicht auf die damalige amerikanische Besatzung befragte.

Quelle: F.A.Z.
Magdalena Bopp Portraitaufnahme für das Blaue Buch / FAZ.Net
Lena Bopp
Redakteurin im Feuilleton.
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