FAZ plus ArtikelVerdachtstheorien

Das Komplott war die Geschichte selbst

Von Philipp Felsch
16.01.2021
, 16:42
Schon in den sechziger Jahren riefen die politischen Ereignisse bei vielen Zeitgenossen tiefes Misstrauen hervor. Was verrät die Konjunktur von Verschwörungstheorien über die geistige Situation der Zeit?

Spätestens seitdem die Bilder des „QAnon-Schamanen“ Jake Angeli als Emblem des Sturms auf das amerikanische Kapitol um die Welt gegangen sind, stimmen die Zeitdiagnostiker darin überein, dass die politische Krise – nicht nur in den Vereinigten Staaten – mit der pandemischen Verbreitung von Verschwörungstheorien zusammenhängt.

Der Kult, dessen Anhänger bekanntlich glauben, dass Funktionäre der amerikanischen Demokraten einen Kinderpornoring betreiben, erfährt hierzulande im Umfeld der Querdenker-Bewegung regen Zulauf. Er lässt sich flexibel mit der Überzeugung kombinieren, dass die Corona-Pandemie ein Machwerk der Gates Foundation darstellt oder dass die politischen Maßnahmen dazu dienen, eine autoritäre Weltregierung zu installieren. Als würde das Virus nicht nur die Lungen und Nervenbahnen, sondern auch das gesunde Weltvertrauen angreifen, erlebt ein signifikanter Teil der Bevölkerung gerade den Verlust des Glaubens an die geteilte, anerkannte, offizielle Realität. Man kann das mittlerweile im eigenen Freundeskreis beobachten: Bekannte, die man als kluge, aufmerksame Zeitgenossen schätzt, outen sich plötzlich als Corona-Leugner.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  Sonntagszeitung plus

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot