Deutsch-iranische Architektin

Mehr als zehn Jahre Haft für Nahid Taghavi

Von Fridtjof Küchemann
04.08.2021
, 16:41
Am 16. Oktober 2020 in Teheran verhaftet: die deutsch-iranische Architektin Nahid Taghavi
„Propaganda gegen den Staat“: Seit fünfzehn Jahren pendelte die Architektin Nahid Taghavi zwischen Köln und Teheran. Im Oktober wurde sie in Iran festgenommen und jetzt zu mehr als zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Die deutsch-iranische Architektin Nahid Taghavi ist wegen „Propaganda gegen den Staat“ in Teheran zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Das bestätigte ihre Tochter Mariam Claren am Mittwoch über Twitter. Wie Mariam Claren in einer bei Change.org veröffentlichten Petition berichtet, in der sie den deutschen Außenminister Heiko Maas auffordert, sich für die Freilassung ihrer 66 Jahre alten Mutter einzusetzen, wurde Nahid Taghavi am 16. Oktober des vergangenen Jahres in ihrer Teheraner Wohnung verhaftet und war seitdem im Evin-Gefängnis inhaftiert.

Insgesamt tausend Stunden lang sei Nahid Taghavi ohne Rechtsbeistand verhört worden, überwiegend, wie Amnesty International berichtet, zu ihrem Engagement als Studentin und ihrem Lebenslauf. Konkrete Straftaten seien ihr bis zum Prozessauftakt nicht vorgeworfen worden. Erst vier Tage vor dem geplanten ersten Verhandlungstag vor dem Revolutionsgericht 26 in Teheran Ende April dieses Jahres hatte ein Anwalt Zugang zu den Akten erhalten, ohne mit seiner Mandantin sprechen zu können. Das Verfahren wurde dann auf den 13. Juni verschoben.

Am 16. Mai sei Nahid Taghavi nach sieben Monaten in Isolationshaft in den Frauentrakt des Gefängnisses verlegt worden, berichtet die Tochter in einer Ergänzung ihrer Petition. Wie sie im Herbst der Tageszeitung Die Welt sagte, habe ihre Mutter seit 1983 in Köln gelebt und sei seit fünfzehn Jahren ohne Probleme mit den Behörden zwischen Deutschland und Iran gependelt. Über das bei Exil-Iranern übliche Maß hinaus sei sie nicht politisch engagiert, weder organisiert noch Teil einer Gruppe gewesen.

Amnesty International geht davon aus, dass Nahid Taghavi von Iran als Druckmittel benutzt wird. Mit der Inhaftierung von Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit verfolge Iran politische Ziele, bestätigt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte: „Iran braucht Druckmittel, damit Deutschland den USA und deren Sanktionspolitik nicht folge, die europäischen Märkte offen bleiben für Geschäfte und das Atomabkommen nicht gefährdet wird.“ Wie Nahid Taghavi wurde auch der britisch-iranische Arbeitsrechtsaktivist Mehran Raoof zu zehn Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Quelle: F.A.Z.
Fridtjof Küchemann  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Fridtjof Küchemann
Redakteur im Feuilleton.
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