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FAZ plus ArtikelPutins Kampf gegen Popmusik

Lass alles brennen

Von Katharina Wagner, Moskau
 - 08:11

Die russischen Behörden haben im vergangenen Herbst einen neuen Feind ausgemacht: Musiker, die bei Jugendlichen beliebt sind, deren Kunst aber nicht zu dem sittentreu-reaktionären Wertegemisch passt, mit dem Präsident Putin Land und Gesellschaft überzieht. Die Popmusik war von diesem Kulturkampf bisher weitgehend unbehelligt geblieben. Noch 2003, Putin war seit drei Jahren im Amt, schickte Russland das tabubrechende, sich als lesbisches Paar präsentierende Duo Tatu zum Eurovision Song Contest nach Riga. Das wäre heute nicht mehr vorstellbar: Die bei Schülern beliebte Band Friendzona, die in einem ihrer Lieder über Küsse zwischen Mädchen singt, konnte auf ihrer Tour durch Russland in diesem Herbst kaum ein Konzert spielen, weil das Singen über gleichgeschlechtliche Liebe bei Behörden und wohl auch einigen Eltern Panik und Abscheu auslöste.

Ebenso betroffen von den Auftrittsverboten war die Band IC3PEAK (gesprochen „I speak“), ein experimentelles Elektro-Duo, die ihre Musik mit den Worten „dark industrial“ beschreibt. Mancher Track, besonders die älteren, noch auf Englisch gesungenen, klingt für laienhafte Hörer bloß nach düsterem Geschrei, die Videoclips gleichen mit der Handykamera aufgenommenen Horrorfilmen. Anderes ist zart und melodisch, mysteriös und humorvoll wie „Smerti bolsche njet“ (Es gibt keinen Tod mehr) vom jüngsten, auf Russisch eingespielten Album. Das zugehörige, professionell gefilmte Video gibt dem Lied erst seine politische Bedeutung – IC3PEAK verstehen das Visuelle als unentbehrlichen Teil ihrer Kunst, sie nennen sich auch „audiovisuelle Terroristen“.

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Quelle: F.A.Z.
Katharina Wagner
Redakteurin in der Politik.
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