Pussy Riot-Aktivistin

Verkleidet als Essenskurier geflohen

Von Kerstin Holm
11.05.2022
, 16:12
Maria Aljochina
Mit der Hilfe von Künstlerfreunden: Die Moskauer Pussy Riot-Aktivistin Maria Aljochina entkommt auf abenteuerlichen Wegen dem Hausarrest und einer Gefängnisstrafe.
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Die Moskauer Protestkünstlerin und Aktivistin der russischen feministischen Punk-Gruppe „Pussy Riot“ Maria Aljochina ist in Moskau ihrem Hausarrest entkommen und hat Russland verlassen. Aljochina war im vergangenen September wegen eines Instagram-Aufrufs zu Demonstrationen für den inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalnyj für ein Jahr unter Arrest gestellt und in diesem Frühjahr mehrfach festgehalten worden. Nachdem die russischen Behörden im April angekündigt hatten, ihre Strafe in mehrere Wochen Strafkolonie umzuwandeln, entschloss sie sich zur Ausreise, erklärte sie nun gegenüber der „New York Times“.

Dem Zeitungsbericht zufolge gelang es Aljochina, aus ihrer polizeilich überwachten Wohnung zu entkommen, indem sie sich als Kurier einer Essenslieferfirma verkleidete. Das Blatt veröffentlichte ein Selfie Aljochinas im froschgrünen Anorak mit gleichfarbigem Wärmerucksack, das Gesicht unter einer Mütze und hochgezogener Kapuze verdeckt. Um nicht verfolgt werden zu können, habe sie ihr Mobiltelefon in der Wohnung zurückgelassen.

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Bei der weiteren Flucht halfen ihr Freunde. Jemand habe sie im Auto an die Grenze zu Belarus gebracht. Innerhalb einer Woche habe sie die belarussisch-litauische Grenze erreicht. Hotels habe sie gemieden. Der Grenzübertritt sei ihr aber erst beim dritten Versuch geglückt.

Das erste Mal hätten belarussische Grenzschützer sie sechs Stunden lang festgehalten und wieder zurückgeschickt. Bei zweiten Versuch habe der Grenzbeamte sie gleich abgewiesen, aber nicht festgehalten. Der dritte Versuch glückte.

Aljochina besaß demnach ein litauisches Visum und einen russischen Inlandspass. Ihren Auslandspass hatten die Behörden konfisziert. Der isländische Künstler Ragnar Kjartansson hatte ein nicht genanntes europäisches Land dazu bewegen können, Aljochina ein Dokument auszustellen, das ihr den Status eines EU-Bürgers verlieh. Dieses Dokument sei ihr auf geheimen Wegen in Belarus übergeben worden.

In Vilnius hielten sich dieser Tage auch andere Pussy-Riot-Aktivistinnen auf, so die Moskauer Stadtparlamentarierin Ljusja Stein, die im April ebenfalls in der Uniform eines Essenskuriers der Polizeiaufsicht entkam. Aljochina sagte, ihre Flucht sei auch wegen der Inkompetenz der russischen und belarussischen Ordnungshüter geglückt. Sie hofft, wieder nach Russland zurückkehren zu können. Ab heute startet Pussy Riot eine Konzerttournee durch Deutschland.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Holm, Kerstin
Kerstin Holm
Redakteurin im Feuilleton.
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