FAZ plus ArtikelEine Woche im Bundestag

Das Knirschen der Macht

Von Christian Gampert
04.07.2022
, 17:14
Will der Gesellschaft etwas zurückgeben: der Volkswirt Martin Rosemann
Er will der Gesellschaft etwas zurückgeben, aber wie erträgt man diese entfremdete Sprache? Eine Woche im Bundestag unterwegs mit dem SPD-Abgeordneten Martin Rosemann.
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Am späten Sonntagnachmittag verabschiedet sich Martin Rosemann in Tübingen von seiner Familie, fährt zum Stuttgarter Flughafen und fliegt nach Berlin. Dort hat er in Wilmersdorf eine kleine Wohnung, am Montag in der Früh beginnt seine Arbeit. Rosemann ist ein klassischer Berufspendler: Er ist Bundestagsabgeordneter. Mindestens 21 Wochen im Jahr lebt er in Berlin, die sogenannten Sitzungswochen. Den Rest verbringt er in seiner Heimatstadt; am Neckar hat er unterm Dach eines Geschäftshauses sein Wahlkreisbüro.

Minutiöse Offenheit

Rosemann fällt auf, weil er auf seiner Homepage mit minutiöser Offenheit Einblick in seine Einkommensverhältnisse gewährt – und weil er keinerlei Nebenverdienste hat. Für einen gelernten Volkswirt ist das erstaunlich. Rosemann will ausschließlich Abgeordneter sein. Auf der Homepage erklärt er auch, warum: Seine Eltern haben erst über den zweiten Bildungsweg Abitur gemacht, und er selbst habe als Körperbehinderter viel Solidarität von anderen erfahren – er will etwas zurückgeben. Soziale Gerechtigkeit scheint für ihn kein Schlagwort zu sein. Da Rosemann der SPD angehört, ist ein Besuch im Bundestag derzeit ein Gang in kompliziertes Gelände.

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