FAZ plus ArtikelMonika Maron gegen S. Fischer

Das Gerücht der rechten Lieferkette

Von Patrick Bahners
23.10.2020
, 09:49
Was genau wirft ihr ehemaliger Verlag der Autorin Monika Maron vor? Der Antaios-Verlag liefert über seine Versandbuchhandlung auch Bücher von S. Fischer. Über einige Fehldeutungen und Falschaussagen in der Debatte.

Der Grund dafür, dass der S. Fischer Verlag keine Bücher von Monika Maron mehr verlegen will, ist, so hat es die Verlegerin Siv Bublitz gegenüber mehreren Zeitungen wie auch gegenüber ihren Autoren verlauten lassen, „eine Publikation von Frau Maron im Buchhaus Loschwitz, das mit dem Antaios Verlag kooperiert“. Die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen hat in der von ihr begründeten Buchreihe „Exil“ einen Band mit jüngeren Essays von Monika Maron herausgebracht – nachdem Fischer die Publikation einer solchen Sammlung abgelehnt hatte. Worin besteht nun die Kooperation von Marons Ersatzverlag mit dem Verlag Antaios, dem Marktführer für Literatur von ganz rechts außen, die Fischer seiner Hausautorin zum Vorwurf macht? Auf Nachfrage erhalten wir von Fischer dazu keine Auskunft.

Ein Missverständnis ist in die Welt gekommen. Es geht wohl auf ein Interview zurück, das Maron im August der „Berliner Zeitung“ gab. Der Frage, warum sie ein Buch nach Loschwitz gegeben habe, wurde mit einem Hinweis auf die dortige Logistik Nachdruck verliehen: „Susanne Dagen vertreibt ihre Bücher über den Antaios-Verlag. Das ist neurechtes Umfeld.“ Auch im Interview in der „Welt am Sonntag“, in dem Monika Maron am 18. Oktober bekanntmachte, was ihr von Seiten ihres Verlags widerfahren ist, wurde sie darauf angesprochen, dass „der weit rechtsaußen stehende Verleger Götz Kubitschek“ die Bücher der Reihe „Exil“ vertreibe. Das stimmt, bedeutet allerdings nicht, dass Kubitschek für das Buchhaus Loschwitz den Vertrieb organisiert. So wurde es aber im Deutschlandradio Kultur dargestellt, so wurde es von der Deutschen Presse-Agentur verbreitet, und so stand es am 21. Oktober irrtümlich auch in dieser Zeitung, denn so hatten wir die an Monika Maron adressierte Fischer-Beschwerde über Kooperation zwischen Loschwitz und Schnellroda verstanden. Die „edition buchhaus loschwitz“ ist ein Kleinstverlag, der keine Vertriebsabteilung hat, aber den Vertrieb auch nicht delegiert. Auch Amazon vertreibt die Reihe. Es ist nicht so, dass man Marons Essayband nur durch Vermittlung von Kubitschek beziehen könnte und Kubitschek an jedem verkauften Exemplar mitverdienen würde. Noch nicht einmal dies, die Duldung einer Vertriebskooperation, kann Maron von Fischer vorgehalten werden.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bahners, Patrick
Patrick Bahners
Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.
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