FAZ plus ArtikelZukunft der Landwirtschaft

Die hausgemachte Selbstzerstörung

Von Jakob Strobel y Serra
30.07.2021
, 17:53
Die Erde wird zu einer Wüste werden, wenn wir unsere Landwirtschaft nicht sofort radikal verändern. Davon ist Felix Prinz zu Löwenstein  fest überzeugt.
Felix Prinz zu Löwenstein gehört zu den Pionieren des Öko-Landbaus und zu den wortmächtigsten Verfechtern einer grünen Revolution. Für ihn steht nichts weniger als die Rettung unserer Lebensgrundlagen auf dem Spiel.
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Felix Prinz zu Löwenstein sieht nicht aus wie der apokalyp­tische Reiter auf seinem feuerroten Ross, auch wenn seine Vorfahren während der ­tausendjährigen Familiengeschichte ein ums andere Mal in voller Rüstung dem Untergang entgegengeritten sein dürften. Der Prinz erinnert mit seiner hageren, hochgewachsenen Gestalt eher an einen deutschen Don Quijote, der allerdings nicht gegen Windmühlen, sondern für die Rettung der Menschheit kämpft: „Die Lage ist dramatisch, weil wir gerade mit der industriellen Landwirtschaft unsere Lebensgrundlagen und unsere Zukunft zerstören. Wir müssen sofort reagieren, denn Tag für Tag gehen wir einen weiteren Schritt in die falsche Richtung, und mit jedem Tag wird die Rückkehr auf den rettenden Weg schwieriger“, sagt Löwenstein mit der ganzen Leidenschaft eines hochbesorgten Revolutionärs, der aber trotz aller Verve selbstverständlich immer die hocharistokratische Contenance bewahrt.

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Die wissenschaftliche Evidenz sei überwältigend, längst bestehe kein Zweifel mehr, dass die Agrarindustrie zwar hochproduktiv, aber auch extrem instabil sei. Ohne Chemie bräche sie von heute auf morgen zusammen, es sei allein die Chemie, die ein schlechtes System am Leben erhalte. Für Löwenstein ist es viel zu spät, Ackerbau und Viehzucht in Trippelschritten zu verändern. Die gesamte Landwirtschaft, nicht nur ein kleiner, wenn auch wachsender Teil von ihr, muss von den Ideen der Ökologie infiltriert und durchdrungen werden, so schnell wie möglich müssen Biolebensmittel ihren Weg vom Nischen- zum Massenprodukt finden. „Wenn wir mit derselben Geschwindigkeit wie jetzt auf ökologischen Landbau umstellen, sind wir Ende des Jahrhunderts am Ziel. Doch dann wird die Erde eine Wüste sein.“ Das ist keine schöne Vorstellung für einen Mann, der sechs Töchter und keinen Spaß an der Apokalypse hat.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Strobel y Serra, Jakob (str.)
Jakob Strobel y Serra
stellvertretender Leiter des Feuilletons.
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