FAZ plus ArtikelPandemie in Madrid

Eine Frage der Selbstbehauptung

Von Paul Ingendaay, Madrid
04.05.2021
, 11:00
Madrid hat einen scharfen Lockdown hinter sich. Jetzt aber ist fast alles geöffnet, und man simuliert Urlaub von der Pandemie. Geht das gut? Es geht.

Im Madrid der Jetztzeit sind die Gesetze der Corona-Sozialgeschichte, wie wir sie aus Deutschland kennen, außer Kraft gesetzt. Alles hat geöffnet, Läden, Kinos, Kneipen, Museen und Theater. Zugegeben, es ist nicht angenehm, im Freien eine Gesichtsmaske tragen zu müssen, selbst beim Spaziergang im Park. Doch sobald man in einem der Madrider Cafés das Glas zum Mund führt, darf die Maske fallen, beim Essen natürlich auch, und Raucher nehmen den Dispens sowieso in Anspruch. Im Inneren der Restaurants dürfen vier Personen an einem Tisch sitzen, draußen sechs. Scheint dann noch die Sonne, wie sie es hier oft tut, ist der Urlaub von der Pandemie fast perfekt.

Die Sinnesorgane haben Mühe, sich wieder an die Freiheit zu gewöhnen: Wo Augen monatelang vor allem Leere sahen, müssen sie erst einmal blinzeln, wenn das Panorama sich wieder randvoll mit Menschen füllt. Ohren, die nur noch an Stille gewöhnt waren, nehmen das Rufen, Plappern und Schnattern in großen Menschenmengen überscharf wahr. Der Körper selbst ist ja entwöhnt. Kein Händedruck seit mehr als einem Jahr, kaum ein Schulterklopfen, aber auch kein Schubsen auf dem Weg zum Tresen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ingendaay Paul
Paul Ingendaay
Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.
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