FAZ plus ArtikelPutins Gottesstreiter

Die Propaganda des Patriarchen

Von Reinhard Flogaus
03.08.2022
, 13:29
Sie wissen, was sie aneinander haben: Kirill und Putin nach dem Ostergottesdienst am 24. April dieses Jahres.
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Die Orthodoxen Kirchen entzweien sich über die vom Moskauer Patriarchen Kirill vertretene Lehre der „Russischen Welt“. Denn diese ist zutiefst unmoralisch. Ein Gastbeitrag.
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Am 27. Juli hat Metropolit Epifanij Dumenko, das Oberhaupt der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), im Namen seiner Kirche dem Erzbischof von Konstantinopel und Ökumenischen Patriarchen Bar­tholomaios einen denkwürdigen Brief zugesandt. In dem umgehend veröffentlichten Schreiben fordert Epifanij das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie dazu auf, möglichst bald eine panorthodoxe Untersuchung gegen den Moskauer Patriarchen Kirill und die von ihm vertretene Lehre der „Russischen Welt“ (Russkij Mir) einzuleiten. Mit dieser „nationalistischen und ethnophyletistischen Theorie von der besonderen Rolle der russischen Nation und des russischen Staates in der Welt und in der Kirche“, so Epifanij, rechtfertige Patriarch Kirill den Angriff Russlands auf die Ukraine und bestreite unter Hinweis auf die Zugehörigkeit ihres Landes zu dieser „Rus­sischen Welt“ den Ukrainern das Recht auf einen unabhängigen Staat und eine autokephale Kirche.

Unter Bezugnahme auf eine bereits am 15. März, dem Fest der Orthodoxie, veröffentlichte und mittlerweile von knapp 1500 (von wenigen Ausnahmen abgesehen nicht russischen) orthodoxen und nicht orthodoxen Theologen aus aller Welt unterzeichnete Erklärung legte Epifanij in seinem Schreiben an Bar­tholomaios dar, dass es sich bei der Lehre von der „Russischen Welt“ um eine „Häresie“ handele. Der Ökumenische Patriarch solle daher zusammen mit den übrigen Oberhäuptern der Orthodoxen Kirchen die Lehre von der „Russischen Welt“ verurteilen, die Errichtung eigener kirch­licher Strukturen durch den Moskauer Patriarchen im Gebiet des Pa­triarchats von Alexandrien für schismatisch erklären und Kirill das Recht auf den Moskauer Patriarchenthron ab­erkennen.

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