FAZ plus ArtikelPolitische Korrektheit

Gendersternchen sind nicht extrem

Von Julia Encke
17.02.2020
, 12:14
Stärkt die Forderung nach Diversität und Emanzipation die Rechtsextremen? Die Abwehr der „Political Correctness“ scheint im konservativen Milieu längst so groß zu sein, dass es ohne absurdeste Polemik gar nicht mehr geht.

Am 5. Februar 2020, jenem Tag also, an dem in Thüringen der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen der CDU und der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde und diese Wahl zunächst auch annahm, hielt die Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine Rede bei der Klassik Stiftung in Weimar. „Die Macht der Worte – Wieviel Freiheit braucht die Demokratie und wieviel Freiheit verträgt die Demokratie?“ hieß die Veranstaltung, bei der Grütters ihre Fassungslosigkeit über das Wahlergebnis zum Ausdruck brachte und es umso schlimmer fand, dass es „auch mit Stimmen der Unionskollegen möglich geworden“ sei, dass ein Ministerpräsident „mit den Stimmen der AfD, also der rechtspopulistischen Demokratieverächter“, gewählt wurde.

Die Rede, die sie im Anschluss an diesen spontanen Wahlkommentar hielt (man kann sie auf der Homepage der Bundesregierung nachlesen), offenbarte dann aber eines der entscheidenden Probleme der Konservativen in der Debatte um den Umgang mit den Rechten: Denn so wie die CDU sich an diesem Abend in gleicher Weise von der AfD und von der Linken abgrenzte, ganz so als wären beide Parteien gleich radikal, system- und demokratiefeindlich und als handelte es sich bei der Linkspartei des ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow um eine Art linke AfD, beschwor die CDU-Politikerin Monika Grütters in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar „einen Fanatismus von rechts und links“, an dem unsere Debattenkultur kranke.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Encke, Julia
Julia Encke
Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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