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Der perfekte Psychopath

Von Albert Newen
23.08.2018
, 18:30
Der perfekte Psychopath ist intelligent und wird nicht durch Gefühle, Empathie und soziales Miteinander eingeschränkt.
Geht von Künstlicher Intelligenz eine Gefahr für die Menschheit aus? Nicht solange Maschinen kein Bewusstsein haben, schrieb der Philosoph Markus Gabriel. Er irrt. Ein Gastbeitrag.

Wie gefährlich ist die Künstliche Intelligenz für den Menschen? „Gefährlicher als Atombomben“, wie Elon Musk meint. Oder dürfen wir uns beruhigt zurücklehnen und mit Markus Gabriel sagen: „Bewusstsein ist die Voraussetzung von Denken und Intelligenz.“ Und „die Schaltkreise unserer digitalen Technik sind schlicht nicht dafür geeignet, Träger von Bewusstsein zu sein“. Leider verbirgt sich hinter dieser Einschätzung ein viel zu einfaches und im Kern falsches Bild von der Evolution des Denkens.

In der Evolution sind zunächst einfache Reiz-Reaktions-Systeme entstanden, wie beispielsweise der Mechanismus zum Fliegenfangen beim Frosch. Denken beginnt erst dann, wenn sich eine Verhaltensweise auf eine komplexe interne Verarbeitung stützt. Buschhäher praktizieren beispielsweise ein komplexes Suchverhalten. Wenn sie satt sind, und es sind noch Würmer und Erdnüsse übrig, dann verstecken sie beides. Sie mögen Würmer lieber als Erdnüsse und fliegen in den ersten Stunden zu den Verstecken mit Würmern und dann, wenn die Würmer verdorben sind, fliegen sie nur noch zu den Erdnussverstecken. Die Buschhäher erfassen also, welches Futter sie an welchem Ort versteckt haben, wann sie es versteckt haben und wie es lange es noch genießbar ist.

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Albert Newen ist Professor für Philosophie an der Universität Bochum.

Quelle: F.A.Z.
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