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Frauenrechte in Russland

Blumen und Konfekt, was soll das?

Von Kerstin Holm
 - 10:44

Zum Internationalen Frauentag, an dem man in Russland seit langem die Vertreter des schönen Geschlechts mit Blumen und Konfekt über mangelnde Karrierechancen und über Plackereien mit labilen, gewaltbereiten Männern hinwegtröstet, wird im Zeichen von MeToo wieder zum Kampf für Gleichberechtigung aufgerufen.

Den Anstoß gab eine dreiste Belästigung der BBC-Korrespondentin Farida Rustamowa durch den Duma-Deputierten Leonid Sluzki. Als Rustamowa voriges Jahr den das außenpolitische Komitee leitenden Sluzki nach dem Moskau-Besuch der Front National-Vorsitzenden Marine Le Pen fragte, schlug dieser ihr vor, statt für die BBC lieber für ihn zu arbeiten und seine Geliebte zu werden. Sluzki, der der nationalistischen Partei des für seine rabiaten Übergriffe auf Frauen berüchtigten Wladimir Schirinowski angehört, drängte sich an Rustamowa und fuhr ihr mit der Hand über den Unterbauch.

Auch die Journalistinnen Jekaterina Kotrikadse und Darja Schuk, die für die kritischen Fernsehsender RTVI und Doschd arbeiten, hatten sich über Belästigungen durch Sluzki beklagt. Der witzelte auf Facebook zunächst selbstbewusst gegenüber neidischen Parlamentskollegen, er könne ihnen die eine oder andere hübsche Journalistin „abgeben“. Und als der Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin den Parlamentsreporterinnen zum Frauentag gratulierte, empfahl er ihnen, sich, sollten ihnen die Arbeitsbedingungen in der Duma nicht zusagen, eine andere Arbeit zu suchen.

Das brachte vor allem Oppositionelle in Rage. Die Journalistin und Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak rief in ihrer Grußadresse an die Frauen dazu auf, gegen eine russische Weinstein-Figur wie Sluzki zu Felde zu ziehen. Der Korruptionsjäger Alexej Nawalnyj rechnete vor, dass Sluzki, der sich schon fast zwanzig Jahre als Duma-Abgeordneter vom russischen Steuerzahler aushalten lasse, nicht nur ein Belästiger, sondern auch ein Ganove sei. Der Abgeordnete, der dem Gesetz nach von seinem Gehalt leben muss, besitzt, so hat Nawalnyj herausgefunden, Autos der Marke Bentley und Mercedes, mit denen er, wie Polizeiakten belegen, ständig die Verkehrsregeln verletze, außerdem ein in seiner Steuererklärung nicht deklariertes Grundstück an der Moskauer Millionärsmeile Rubljowka.

Aus Solidarität mit den Journalistinnen hat Nawalnyj deswegen einen Antrag vor die Duma gebracht, Sluzki seine Politikervollmachten wegzunehmen. Die Journalistin Maria Baronowa forderte die Männer vor allem der älteren Generation auf, an diesem Feiertag Frauen anzurufen, deren Karrieren sie geschadet hätten, und sich dafür zu entschuldigen. Präsident Putin, der in zehn Tagen zur Wiederwahl antritt, versuchte den Spieß noch einmal herumzudrehen. In seiner Grußadresse an alle Russinnen lobte er mit wächsern ausdrucksloser Miene deren Schönheit, Zärtlichkeit und Herzen, vor allem aber die Fähigkeit, innig zu verzeihen.

Quelle: F.A.Z.
Kerstin Holm
Redakteurin im Feuilleton.
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