FAZ plus ArtikelSexuelle Aufklärung

Der größte Erfolg des Arabischen Frühlings?

Von Lena Bopp
09.05.2021
, 11:42
Seit einiger Zeit wird in arabischen Ländern unverstellter über Sexualität gesprochen, vor allem in den sozialen Medien. Und erstmals gibt es überhaupt Begriffe, um sich über diese Themen zu verständigen.

Sandrine Atallah war im libanesischen Fernsehen in die Talkshow „A gheir kawkab“ eingeladen. Es sollte um sexuelle Aufklärung gehen. Das ist ihr Fachgebiet, denn Atallah ist eine der ersten Frauen, wenn nicht die erste Frau überhaupt in der arabischen Welt, die die Wissensvermittlung über Sexualität zu ihrem Beruf gemacht hat. Sie war fest davon überzeugt, dass es möglich sein würde, im Fernsehen über Sex zu sprechen, auch tabulos und unvoreingenommen, denn das ist sie gewohnt. Doch dass man sie in der Show fortlaufend unterbrechen und lächerlich machen, dass man ihr abwechselnd vorwerfen würde, ihre Vokabular sei zu wissenschaftlich, ihre Stimme aber zu aufreizend, mehen, wie man im Libanon sagt, was eine üble Beleidigung ist, damit hatte sie nicht gerechnet.

Mit dem, was nach der Sendung geschah, allerdings auch nicht. In den sozialen Medien ging ein Shitstorm los – doch galt dieser nicht ihr, sondern dem Gastgeber der Show, Pierre Rabat, dessen misogynes Verhalten so viel Kritik auf sich zog, dass er schließlich auf Twitter etwas halbherzig um Verzeihung bat. Die Diskussion sei aus dem Ruder gelaufen, schrieb er. Entschuldigung angekommen, aber abgelehnt, antwortete sie ihm ebenfalls über Twitter. „Sie hätten sich informieren können, keine Falschmeldungen über meine eigenen Sendungen verbreiten dürfen und den anderen Gästen Einhalt gebieten müssen.“ Noch Tage später war Sandrine Atallah schockiert.

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Quelle: F.A.S.
Magdalena Bopp Portraitaufnahme für das Blaue Buch / FAZ.Net
Lena Bopp
Redakteurin im Feuilleton.
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