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Vor gut einem Monat kam mein Freund und Mitstreiter Konstantin Kotow, Programmierer und Bürgerrechtler, im Zentrum Moskaus aus einer Fußgängerunterführung. Die Stadt war voller „Spaziergänger“, die friedlich für ehrliche Wahlen und für die von der Verfassung garantierten Freiheitsrechte eintraten. Fast alle unabhängigen Kandidaten waren durch betrügerische Tricks nicht zu den Kommunalwahlen zugelassen, viele über Wochen eingesperrt worden. Jeden Samstag, schon mehr als einen Monat lang, wurden auf diesen „Spaziergängen“ Hunderte von Leuten festgenommen, etwa zehn Personen wurden bereits in einem politischen Strafverfahren der Teilnahme an „Massenunruhen“ beschuldigt: ein Manager, ein Student, ein Programmierer, ein Blogger, ein Rapper, ein Techniker, ein Schauspieler, ein Wahlkampfhelfer, sogar ein zufälliger Passant.
Es war der 10. August. Wieder einmal griff die Polizei auf den Straßen wahllos junge Männer, junge Frauen, sogar gebrechliche alte Leute an. Konstantin war kaum ein paar Schritte gegangen, als maskierte Uniformierte sich auf ihn stürzten, ihn festnahmen und ohne Erklärung auf die Wache brachten. So etwas war Routine. Und hätte mit einer Geldstrafe enden können, wäre Kostja nicht durch seine großherzige Bereitschaft, sich gewaltlos für buchstäblich jeden politischen Gefangenen einzusetzen, der Staatsmacht bereits ein Dorn im Auge gewesen.
Aus dem Russischen von Christiane Körner.
Die Autorin ist Schriftstellerin und lebt in Moskau. Auf Deutsch erschien von ihr zuletzt der Roman „Eine Liebe im Kaukasus“ (Suhrkamp).