FAZ plus ArtikelStreitgespräch über Beutekunst

War Humboldt Kolonialist?

Von Andreas Kilb und Stefan Trinks
Aktualisiert am 03.01.2019
 - 12:02
Auch deutsche Museen stellen kolonialistische Beutekunst aus. Vor der Eröffnung des Humboldt-Forums streiten Kunsthistoriker Horst Bredekamp und der Afrika-Historiker Jürgen Zimmerer darüber, was mit den Stücken geschehen soll.

Herr Zimmerer, haben deutsche Museen das moralische Recht, Kunstobjekte mit kolonialer Herkunft auszustellen?

JÜRGEN ZIMMERER: Das ist eine schwierige Frage. Bei kolonialen Kontexten liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass es ein Unrechtskontext ist. Man kann aber auch nicht pauschal sagen, hundert Prozent der Objekte sind geraubt. Deshalb ist die Beweislastumkehr so wichtig. Die Grundannahme ist, dass die Objekte unter zweifelhaften Umständen erworben wurden, es sei denn, man kann das Gegenteil beweisen. Darf man sie ausstellen? Natürlich. Die Museen müssen nur zumindest ausdrücklich darauf hinweisen: Das ist ein Raubkontext oder ein problematischer Kontext. Das ist eigentlich mein Appell in der Debatte, dass man sagt: Ja, vieles ist Raubkunst, aber wir können es in der Kürze der Zeit nicht erforschen, wir wollen uns aber damit auseinandersetzen. Der Lerneffekt bestünde darin, dass man die Europäer, die Deutschen, die Besucher in Berlin mit der Realität dieser Erwerbung und mit der Realität des Kolonialismus konfrontiert.

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Quelle: F.A.Z.
Andreas Kilb - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Kilb
Feuilletonkorrespondent in Berlin.
Autorenporträt / Trinks, Stefan
Stefan Trinks
Redakteur im Feuilleton.
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