FAZ plus ArtikelRaubgut im Humboldt-Forum

Die Sammler kamen mit dem Kanonenboot

Von Götz Aly
20.09.2021
, 12:14
Die Erbschaft eines gewerbs­mäßigen Beutemachers? Prunkschale  aus geschnitztem Holz von den Admiralitätsinseln aus der Sammlung von Max Thiel im Ethnologischen Museum in Berlin.
Viele Objekte aus der Südsee-Sammlung, die künftig im Humboldt-Forum gezeigt werden, wurden auf Strafexpeditionen geraubt. Aber die Staatlichen Museen Berlin verschleiern ihre Herkunft. Ein Gastbeitrag.

Jahrzehntelang weigerte sich die Direktion des Ethnologischen Mu­seums Berlin, die Inventare ihrer Schätze zu veröffentlichen. Die Geheimniskrämerei zielte darauf, die sogenannten Erwerbsumstände der in den einstigen Kolonien zusammengerafften Ob­jekte im Halbdunkel musealer Ar­chive verschwinden zu lassen. So entwickelte sich jener „Listenkrieg“, von dem die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy in ih­rem im Frühjahr erschienenen Buch „Af­ri­kas Kampf um seine Kunst“ berichtet.

Bereits 1976 hatte der Internationale Mu­­seumsrat (ICOM) die Direktoren der ethnologischen Museen Europas aufgefordert, die Inventare ihrer Häuser zu veröffentlichten. Damit sollte es Museumsleuten in den unabhängig gewordenen Staaten Af­rikas und Asiens ermöglicht werden, den von einstigen Kolonialherren verschleppten Kunst- und Kulturobjekten nachzuspüren. Unter engagierter Beihilfe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Berliner ethnologischen Sammlungen gehören, verhinderten fast alle Direktoren ähnlicher deutscher Sammlungen die Veröffentlichung ihrer Objektverzeichnisse. Hoch er­regt beschworen sie gegenüber dem Auswärtigen Amt, dem Innenministerium und der Kultusministerkonferenz mögliche „Be­­­gehrlichkeiten“ einst kolonial ausgeplünderter, nun selbständiger Staaten. Dem Verdunklungswillen entsprach die Tabuisierung von Inventaren und das „Ausbremsen moderner Erfassungsmethoden“, wie Bénédicte Savoy dokumentiert hat.

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Quelle: F.A.Z.
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