FAZ plus ArtikelChina und Amerika

Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

Von Mark Siemons
13.08.2022
, 17:14
Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.
Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.
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Die fortgesetzten militärischen Manöver Chinas rund um Taiwan lassen eine Frage ganz nahe rücken, die in den öffentlichen Debatten bisher seltsam ausgespart geblieben ist: Wie ist ein großer Krieg zwischen Amerika und China mit all seinen unausdenkbaren Folgen überhaupt noch zu vermeiden? Statt dieser Frage ist das Narrativ des globalen Systemwettkampfs vorherrschend, das in seiner gebräuchlichen Lesart offen ist auch für eine kriegerische Verlängerung. Nancy Pelosi, die Vorsitzende des amerikanischen Repräsentantenhauses, begründete ihren Besuch Taipehs damit, dass „die Welt der Wahl zwischen Autokratie und Demokratie gegenübersteht“. Daher sei es „essenziell, dass Amerika und seine Verbündeten klarmachen, dass wir den Autokraten niemals nachgeben“.

Was bedeutet das für die Frage von Krieg und Frieden? Die schnelle Antwort, mit der man sich bisher meist zufrieden gibt, lautet, am ehesten könne glaubwürdige militärische Abschreckung einen Krieg verhindern, verbunden mit Eindämmung (Containment) oder wenigstens Beschränkung (Constrainment) der chinesischen Ambitionen. Das sind auch die Eckpfeiler von Bidens Chinastrategie, die sich weltweit um eine aktivere Bündnispolitik bemüht, vor allem unter Chinas unmittelbaren Nachbarn. Doch ein solches Programm allein, ohne einen von beiden Seiten gemeinsam getragenen institutionalisierten Kriegsvermeidungsmechanismus, wie es ihn im Gefolge der Kubakrise sogar im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gab, würde die Entscheidung über Krieg und Frieden mittelfristig dem Recht des Stärkeren – oder des sich stärker Glaubenden – überlassen. Deshalb sagte der amerikanische Präsident im vergangenen Jahr, dass die Rivalität der beiden Mächte Leitplanken brauche, er benutzte den Ausdruck „common-sense guardrails“.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Siemons, Mark
Mark Siemons
Feuilletonkorrespondent in Berlin.
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