FAZ plus ArtikelZocken per App an der Börse

Wenn die Gier die Vernunft vernebelt

Von Melanie Mühl
18.06.2021
, 05:55
Spekulieren per App ist gefährlich - und verführerisch
Manche werden beim Zocken reich, andere stürzen in den Ruin. Was sie alle antreibt: der Dopaminrausch per Mausklick. Den will ich auch spüren. Ein Selbstversuch.
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Eine Woche bevor der Kryptomarkt crasht, steige ich ein ins Spiel ums schnelle Geld. Die App eToro, eine Social-Trading-Plattform, bei der man Aktien, CFDs, Rohstoffe und Kryptowährungen handeln kann, ist einer der unkompliziertesten Wege ins Börsenreich. Die Kontoeröffnung kostet nichts, Gebühren fallen erst an, wenn man handelt und die Gewinne oder ein paar übrig gebliebene Euro auf sein Sparbuch überweist. Nach wenigen Klicks bin ich angemeldet und zahle Geld per PayPal ein. Alles in allem hat das keine halbe Stunde gedauert, wobei ich die meiste Zeit damit verbracht habe, meine Steueridentifikationsnummer zu suchen.

Die Warnung, dass mehr als siebzig Prozent der Anleger beim Handel mit CFDs (Contracts for Difference) sowie anderen risikoreichen Finanzinstrumenten Geld verlieren, nehme ich kaum wahr, als richte sich die Botschaft an andere. Wer spekuliert, ist überzeugt, er gewinnt. Gegen den Markt und gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Die Wissenschaft nennt diese Selbstüberschätzung bei Entscheidungsprozessen overconfidence bias.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Melanie Mühl / Juli 2018
Melanie Mühl
Redakteurin im Feuilleton.
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