Personenerkennung ohne Gesicht

Sie finden uns auch so

Von Fridtjof Küchemann
10.08.2016
, 21:02
Kaschieren zwecklos: Das „Faceless Recognition System“ kann Personen selbst bei Bildbearbeitungen wie dieser identifizieren.
Sichtbarkeit der Bildbeschreibung wechseln
Forscher des Max-Planck-Instituts in Saarbrücken haben eine Software entwickelt, die Personen auch mit unkenntlich gemachtem Gesicht auf Fotos wiederfindet. Sie sind nicht die ersten, glauben sie.
ANZEIGE

Automatische Gesichtserkennung ist ein unheimliches Geschäft. Erst im Frühjahr hatte die russische App FindFace für Aufsehen gesorgt, die auf offener Straße fotografierte Personen durch einen Profilabgleich mit Aufnahmen aus dem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion populären Netzwerk VK.com mit einer Zuverlässigkeit von siebzig Prozent identifizieren kann. Jetzt haben Forscher des Max-Planck-Instituts in Saarbrücken eine Technik entwickelt, die mit ähnlich hohen Werten Menschen anhand ihrer Fotos in Social Media wiedererkennt - und dabei sogar ganz ohne freien Blick auf deren Gesicht auskommt.

Auch wenn das Gesicht vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht wurde, genügt dem Algorithmus ein einziges unverdecktes Gesicht, um die Person mit einer Zuverlässigkeit von 69,6 Prozent zu identifizieren. Bei zehn Vergleichsfotos steigt dieser Wert auf 91,5 Prozent - und das allein durch Analyse der Pixel, ohne Auswertung der Profile, Timelines, Orts- oder Zeitdaten. Unterschiedliche Tage der Aufnahmen, andere Kleidung, verschiedene Aufnahmebedingungen wie Helligkeit, Position oder Art der Kamera stellen für das System keine Hürde dar. Bei mit einem schwarzen Rechteck überdeckten Gesichtern tut es sich allerdings schwerer als bei den Unschärfe-Filtern, wie sie zum Beispiel bei Youtube eingesetzt werden. Doch auch bei ungünstigsten Bedingungen liegt die Zuverlässigkeit immer noch zwölffach über dem reinen Zufall.

Anfang Oktober wollen Seong Joon Oh, Rodrigo Benenson, Mario Fritz und Bernt Schiele das „Faceless Recognition System“ auf der „European Conference on Computer Vision“ in Amsterdam vorstellen, um die Auswirkungen auf die Privatsphäre in den Sozialen Medien zu diskutieren. „Wir zeigen, dass das Unkenntlichmachen von Gesichtern mit den heute gebräuchlichen Verfahren nur begrenzt funktioniert“, schreiben die Forscher in einem gerade veröffentlichten Bericht. Eine Handvoll markierter Fotos reiche für die Identifikation von Personen vollständig aus. Und: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Systeme wie das hier beschriebene insgeheim bereits im Einsatz sind.“

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Fridtjof Küchemann  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Fridtjof Küchemann
Redakteur im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Bildungsmarkt
Alles rund um das Thema Bildung
Sprachkurs
Verbessern Sie Ihr Englisch
Sprachkurs
Lernen Sie Französisch
ANZEIGE