Gesichtserkennungstechnologie

Bürgerrechtler brechen Verhandlungen über Verhaltenskodex ab

Von Fridtjof Küchemann
17.06.2015
, 15:53
Biometrische Daten bedürfen eines besonderen Schutzes: Computer-Modell eines menschlichen Kopfes nach der Vermessung.
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Wie dürfen Daten zur Gesichtserkennung erhoben, gespeichert und abgeglichen werden? Seit über einem Jahr ringen Bürgerrechtler und Unternehmen in Washington um dieses heikle Thema. Jetzt hat eine Seite die Gespräche abgebrochen.
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Seit sechzehn Monaten ringen amerikanische Unternehmen und Bürgerrechtler vor der amerikanischen Telekommunikationsbehörde NTIA um eine gemeinsame Richtlinie zum Einsatz von Gesichtserkennungssoftware. Die Fragen sind weitreichend, der Adressatenkreis derer, die den Kodex letztlich freiwillig anerkennen sollen, ist weit gefächert, und die Kluft zwischen den beiden gegensätzlichen Interessengruppen könnte tiefer nicht sein.

Jetzt haben die Vertreter aller beteiligten Bürgerrechtsorganisationen – unter ihnen die Electronic Frontier Foundation, das Center for Digital Democracy und die American Civil Liberties Union (ACLU) – die Verhandlungen gemeinsam abgebrochen. Sie glaubten nicht daran, verkündeten sie in einer gemeinsamen Erklärung, dass die NTIA-Verhandlungen zu Richtlinien führen könnten, die einen ausreichenden Schutz vor Gesichtserkennungstechnologie böte. In den letzten Treffen hätten die Vertreter der Unternehmen keinem einzigen Szenario zugestimmt, in dem die Technologie ausschließlich mit Einwilligung der Betroffenen eingesetzt würde.

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Eine freiwillige Selbstverpflichtung ist nicht genug

„Die Menschen sollten zumindest eine öffentliche Straße entlanggehen können, ohne befürchten zu müssen, dass ein Unternehmen, von dem sie noch nie gehört haben, sie verfolgt und durch Gesichtserkennungstechnologie namentlich identifiziert“, argumentieren die Bürgerrechtler. „Leider haben wir nicht einmal für diese Prämisse Einigung erzielen können.“

Zur Sitzung vom 11. Juni hatte die ACLU ein ethisches Grundsatzpapier zur Gesichtserkennung vorgelegt, in dem sie die beabsichtigte freiwillige Richtlinie zwar als wichtigen Schritt anerkennt. Der Schutz vor Ausbeutung und Missbrauch biometrischer Informationen sei allerdings gänzlich ohne gesetzlichen Schutz unmöglich.

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In der Diskussionsgrundlage zur Sitzung findet sich allerdings auch die im Interesse der Unternehmen liegende Frage, ob nicht schon die geplante Richtlinie künftigen Einsatzmöglichkeiten zu eng begrenze: „Könnte eine Sammlung von Best Practices den verantwortungsvollen Umgang mit Gesichtserkennungstechnologie besser befördern, ohne sozial oder wirtschaftlich vorteilhafte Einsatzmöglichkeiten einzuschränken?“

„Wir haben in gutem Glauben sechzehn Monate lang mitgearbeitet“, erklären die Bürgerrechtler. Jetzt sind sie zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen einen besseren Schutz verdienen, als er ihnen in diesem Forum wohl gewährt werden kann.

Quelle: FAZ.NET
Fridtjof Küchemann  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Fridtjof Küchemann
Redakteur im Feuilleton.
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