FAZ plus ArtikelAmerikas Neokonservative

Auf einen richtigen Feind kommt es an

Von Jan-Werner Müller
15.09.2021
, 06:40
Die neue Kriegstechnologie brachte nicht die Vorteile, die sich die Neokonservativen von ihr versprochen hatten: Abzug amerikanischer Soldaten aus Kabul am 30. August dieses Jahres.
Sie ebneten den Weg nach Kabul und Bagdad: Über die Wandlungen der amerikanischen Neokonservativen, die Demokratie nach amerikanischem Vorbild in die Welt exportiert sehen wollten. Ein Gastbeitrag.
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Vor einem halben Jahrhundert war „neokonservativ“ in den Vereinigten Staaten ein Schimpfwort; diejenigen, welche von linken Kritikern mit dieser Neuschöpfung angegriffen wurden, wehrten sich anfangs mit dem Hinweis, sie seien doch Anhänger der Demokratischen Partei. Auch heute, nach zwei verlorenen Kriegen, die von selbst erklärten Neokonservativen forciert wurden, will niemand dieses Label angeheftet bekommen; wer es verpasst bekommt, ist sofort mit dem Argument zu Hand, man bekämpfe nach Kräften die durchtrumpifizierte Republikanische Partei – und habe im Übrigen für Biden votiert. Hat sich hier ein Kreis geschlossen? Oder sind die Wege von inzwischen gut drei Generationen neokonservativer Intellektueller doch komplizierter verlaufen?

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Irving Kristol, der Vater dieser Bewegung, bemerkte einmal, ein Neokonservativer sei ein Liberaler (im amerikanischen Sinne von sozialdemokratisch), der einem Überfall durch die Realität zum Opfer gefallen sei. Diese Selbstdarstellung – aufrechte Anhänger der Aufklärung, aber geheilt von jeglichen linken Illusionen – ist das Urbild der Neokonservativen, die sich das Etikett im Laufe der Siebzigerjahre schließlich stolz selber ansteckten.

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