FAZ plus ArtikelHomosexualität in Frankreich

Diese Leute da und wir

Von Jürg Altwegg
11.08.2022
, 19:29
Freiheit der sexuellen  Selbstbestimmung: Dafür demonstrierten diese Teilnehmer des Gay Pride in Paris im März 1982.
Endlich égalité: Vor vierzig Jahren führte Frankreich die Straffreiheit für gleichgeschlechtliche Liebe ein. Heute wird darüber aufs Neue diskutiert.
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Seit vierzig Jahren ist die gleichgeschlechtliche Liebe erlaubt: unter diesem Motto gedenkt Frankreich der Abschaffung eines Gesetzes, das von Vichy erlassen wurde. Es war ein Wahlversprechen des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand. Am 4. August 1982 hat die Linke für und die Rechte gegen die Streichung des Paragraphen gestimmt. Anders als bei der Todesstrafe gab es keine Abweichler aus Gewissensgründen.

Das Verbrechen „Sodomie“ war allerdings bereits von der Französischen Revolution abgeschafft worden. Die Homosexuellen wurden anderer Delikte wie der „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ angeklagt. Unter dem französischen Staatschef Pétain verschärfte sich zwischen 1940 und 1944 die Verfolgung. Die Schriftsteller Roger Peyrefitte und Henry de Montherlant wurden wegen Unzucht mit Minderjährigen verhaftet, André Gide hingegen in Ruhe gelassen. Vichy hatte das Schutzalter bei gleichgeschlechtlicher Liebe auf einundzwanzig Jahre angehoben. Bei heterosexuellen Verhältnissen betrug es dreizehn, nach 1945 fünfzehn Jahre. Die Gesetzesänderung von 1982 vollzog die Angleichung des Schutzalters.

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