FAZ plus ArtikelDebatte um „Dekolonisierung“

Weiße Reformer erwünscht

Von Daniel Wendt
12.04.2021
, 06:34
Wieso ist es nötig, die Wissenschaften vom Altertum zu „dekolonisieren“? Weil die Frustration über Wissenschaftspraktiken das Misstrauen der nichtweißen Bevölkerung gegenüber dem politischen System verstärkt.

Die Beschäftigung mit der Antike ist in den Vereinigten Staaten eng mit der Geschichte des Rassismus verknüpft. Nicht nur wurde die Sklaverei mit antiken Autoritäten begründet, sondern die Idee einer weißen Antike, einer überlegenen Western civilisation, versinnbildlicht durch den weißen Marmor der antiken Statuen und Bauwerke (die in der Antike tatsächlich oft bunt waren), wird seit der Aufklärung und dem Kolonialismus als Vehikel der Unterdrückung genutzt.

Bis heute nutzt die extreme Rechte antike Symbole (wie den „weißen“ Athener Parthenon) aktiv zur Propaganda der white supremacy. Die Wissenschaft hat zweifellos ihren Beitrag zu dieser Ideologie geliefert. Entsprechend aufgeladen ist die gegenwärtige Diskussion über die Forderung, die Classics, also die Altertumswissenschaften, als Studienfach und Forschungsgebiet zu „dekolonisieren“, das heißt der historischen und gegenwärtigen Marginalisierung von people of color entgegenzuwirken.

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Daniel Wendt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Griechische und Lateinische Philologie der Freien Universität Berlin und Gastforscher am Classics Department der Universität Princeton.

Quelle: F.A.Z.
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