FAZ plus ArtikelAchtung, Metapher!

Warum sich Trump als Opfer einer Hexenjagd stilisiert

Von Tobias Bulang
Aktualisiert am 09.12.2019
 - 07:13
Donald Trump am Wochenende bei der Rückkehr von Florida nach Washington
Wie kommt ein derart privilegierter Mensch dazu, in Bezug auf sich selbst von einer Hexenjagd zu sprechen? Man kann diese Behauptung nur als Appell an seine Anhänger und politischen Weggefährten verstehen. Ein Gastbeitrag.

Die Impeachment-Ermittlungen gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas bezeichnen dieser und seine Gefolgsleute als „witchhunt“ – als eine Hexenjagd. Diese Zuschreibung erfolgt geradezu reflexartig, und es muss zu denken geben, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, als der Staatsanwalt über Ermittlungen zu Korruptionsvorwürfen befand, ebenso schnell damit hausierte. Diese Art des politischen Neusprechs zielt auf den schnellstmöglichen delegitimierenden Effekt. Denn wer Hexen jagt, ist im Unrecht, weil es sich um unschuldige Justizopfer handelt.

Wo professioneller Journalismus als fakenews abqualifiziert wird und das Recht auf die eigene Meinung von höchsten Stellen für ein vermeintliches Recht auf eigene Fakten in Anspruch genommen wird („alternative Fakten“), ist auch die Metapher betroffen. Weil die Metapher sprachlich zwischen Begriff und Anschauung vermittelt, kann sie in übertragener Rede komplexe und abstrakte Sachverhalte anschaulich machen. Was somit einen Tatbestand gedanklich und sprachlich zu erschließen hilft, kann auch der Verschleierung der Wahrheit dienen.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  im F.A.Z. Digitalpaket

: Aktion

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot