FAZ plus ArtikelWer ist deutsch und wer nicht?

Mit Rechten reden

Von Melanie Mühl
05.11.2019
, 14:10
Protest gegen Rechts: Aufgebrachte Demonstranten schimpfen auf Björn Höcke.
Eine Gesprächsrunde im thüringischen Altenburg lädt die Bürger zu einer Diskussion über das Deutschsein ein. Keiner kommt. Nur ein paar Neonazis wollen reden.
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Der Beamer ist angeschlossen, ein Stapel Handzettel zur „Gesprächswerkstatt in Altenburg“ liegt auf einem Tisch bereit und außerdem gibt es belegte Brötchen. Um 18 Uhr soll die Diskussionsveranstaltung beginnen. Eingeladen sind interessierte Bürger der thüringischen Kleinstadt Altenburg, die an diesem freundlichen, hell beleuchteten Begegnungsort der Initiative „Stadtmensch“ im Zentrum darüber reden sollen, was Deutschsein heißt. Wer gehört zu uns? Wer nicht? Und: Kann man deutsch werden? Wichtige Fragen also, zumindest dann, wenn man als Gesellschaft näher zusammenrücken möchte anstatt immer weiter auseinander zu driften.

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Draußen eilen vereinzelt vermummte Menschen mit Einkaufstüten vorbei, ansonsten scheint die Stadt wie ausgestorben. Die Kälte. Ermüdung nach der Thüringen-Wahl. Die frühe Dunkelheit. Resignation. Gründe, daheimzubleiben gibt es an diesem frühen Abend genug. Um 18 Uhr jedenfalls ist kein einziger gesprächsbereiter Bürger da. Um 18.30 Uhr packen Julia Leser, Tobias Neidel und Valentin Ardelean-Kaiser von der Universität Leipzig die Zettel wieder ein, murmeln „schade“, zucken die Schultern, so sei das eben. Man kann die Menschen nicht zwingen zusammenzurücken.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Melanie Mühl / Juli 2018
Melanie Mühl
Redakteurin im Feuilleton.
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