FAZ plus ArtikelGrüne und die Landwirtschaft

Bauer, lass die Hecke stehen

Von Wiebke Hüster
12.06.2021
, 09:38
Grüne Politik und Landwirtschaft
Der Erfolg der Grünen hat in der Stadt andere Gründe und Konsequenzen als auf dem Land. Die einen reden von Diversität, die anderen von Artenvielfalt. Wer soll sich darum kümmern, was darf es kosten?
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Die kaum noch zu steigernde Beliebtheit der Grünen in Deutschland ist ein Ausdruck des kollektiven Schuldbewusstseins einer überwiegend wohlhabenden, städtisch lebenden Bevölkerung. Wir halten keine Ziegen in unseren Hinterhöfen und Gärten, um Käse selbst zu machen, und die Eier kaufen wir im Supermarkt. Deswegen kommen wir auch nicht morgens vor die Tür und sehen, dass der Fuchs sich zwei von unseren Hühnern geholt hat und dass von Hedda und Irmi nur noch ein paar Schwanzfedern übrig sind.

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Das ist das Problem. Würden wir alle Hühner halten, Tomaten ziehen, Würmerboxen auf dem Balkon haben, dann wüssten wir, wie ein Stall fuchs- und waschbärsicher zu machen ist (gar nicht), wie sich Klimawandel anfühlt und wie viele Würmerboxen man braucht, um die Küchenabfälle einer Familie in Dünger zu verwandeln. Die große Richtung bejahen wir, und damit wir nicht streiken, weil das konkret Verzicht bedeutet, gestalten die Grünen ihr Programm abwechslungsreich und so, dass die populärsten Naturschutzansichten ins Fenster gestellt sind: Waschbär und Wolf sind die Ikonen dieser Kampagne. Dass die Wildpferde, mit denen Robert Habeck auf Insta kuschelte, am Verhungern und Verdursten waren, weil die Tiere nach der Auswilderung komplett sich selbst überlassen wurden, wussten seine Spindoktoren natürlich nicht.

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