FAZ plus ArtikelKrieg in der Ukraine

Er würde Putin am liebsten hängen

Von Melanie Mühl, Odessa
28.05.2022
, 15:21
Bereit, den Feind zu besiegen: Die Hafenstadt Odessa wappnet sich gegen einen russischen Großangriff.
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Der Krieg verändert jeden: Die einen zerbrechen, die anderen wachsen über sich hinaus. Drei Begegnungen in Odessa, einer Stadt, die Putin unbedingt erobern will.
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Die russischen Bomben haben aus Juri einen Pa­trioten gemacht. Über Nacht. Als wäre er gestorben und wiedergeboren worden. Er sagt „ich bin jetzt ein anderer.“ Von seiner Russlandtreue ist kein Funken übrig geblieben. Früher zierte Juris Rucksack das orange-schwarz gestreifte Georgsbändchen, eine russische Auszeichnung für militärische Heldentaten, das inzwischen auch die Gegner der Ukraine tragen. Juri hat es weggeworfen. Die Farben seiner Überzeugung leuchten jetzt blau-gelb. Slava Ukraini, Ruhm der Ukraine, sagt er heute.

Juri ist Anfang sechzig, ein drahtiger Mann mit drahtigen grauen Haaren. Er sitzt in einem Straßencafé in Odessa, dessen Gäste keinen Kaffee mit Mandelmilch trinken, sondern Suppe mit großen Fleischstücken essen. Mit Kiew, Lwiw, mit all den Städten im Westen, wo die Ukrainisierung vorangetrieben, wo Denkmäler wütend gestürzt werden, hatte Juri vor dem Krieg nichts am Hut. Plötzlich bedeuten sie ihm viel. Eine spät entdeckte Liebe, dafür eine umso größere.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Melanie Mühl / Juli 2018
Melanie Mühl
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