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Wie verändern die sozialen Medien die Sprache?

Von Wolfgang Krischke
19.03.2019
, 06:39
Wer braucht schon Zwischentöne? Hauptsache, die Message kommt an.
Emotional berührt statt kritisch seziert: Die Sprachwissenschaft schlägt auf dem Kongress des Instituts für Deutsche Sprache kulturkämpferische Töne an.

„Wir essen jetzt Opa!“, prangt auf dem T-Shirt. Doch nicht zum Kannibalismus wird hier aufgerufen, sondern zur korrekten Kommasetzung: „Satzzeichen können Leben retten.“ Aber sind die nicht inzwischen selbst vom Aussterben bedroht durch den anarchischen Schreibsprech von Whatsapp und anderen digitalen Plattformen? Keineswegs, aber sie spielen hier andere Rollen als auf der Bühne des formellen Schreiben. Das zeigte der Sprachwissenschaftler Jannis Androutsopoulos auf der Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, die sich dem „Deutsch in Sozialen Medien“ widmete.

In diesem Deutsch dient das, was traditionell „Satzzeichen“ heißt, weniger dazu, Sätze zu gliedern, als die Interaktionen zwischen den Chatpartnern zu steuern, Einstellungen zu signalisieren, Geschriebenes zu kommentieren und einen persönlichen Stil zu kreieren, der freilich auch schon wieder Normen hervorbringt: „Als Whatsapp-Profi lassen Sie den Punkt weg“, rät „Focus“-Online seinen Lesern. Folgt man Androutsopoulos, ist das allerdings kein guter Tipp. Zwar fehlt der Punkt immer öfter am Ende von Online-Nachrichten, aber dafür signalisiert er nun an vielen anderen Stellen ein Spektrum, das von Entschiedenheit (Hallo. Eine eindeutige Ansage bitte.) bis zur gereizten Ablehnung (Nee. Sorry.) reicht.

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