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Der nächste Zapfenstreich

Gaucks Rücktritt

EIN KOMMENTAR Von Edo Reents
 - 17:00

Vor dem für Donnerstag geplanten Großen Zapfenstreich für den zurückgetretenen Bundespräsidentenkandidaten Gauck hagelt es Absagen. Nachdem bereits die Partei- und Fraktionsvorsitzenden von Union, FDP, SPD und Grünen ihr Fernbleiben signalisiert haben, lassen nun auch Gaucks fünf noch lebende, ehemals mögliche Amtsvorgänger Scheel, von Weizsäcker, Herzog, Köhler und Wulff durchblicken, dass sie zu diesem Termin wohl nicht erscheinen werden. Man habe, erklärten sie unisono, Besseres zu tun, als einen Mann mit den höchsten militärischen Ehren zu verabschieden, der den Holocaust relativiere.

Gauck hatte in einer Rede vor drei Jahren die Frage gestellt, ob es richtig sei, dass der Holocaust „in eine Einzigartigkeit überhöht“ werde; dies sei einer Analyse und einem Verständnis nicht zuträglich. Diese Äußerung war bisher einer breiteren Öffentlichkeit nicht bekannt gewesen; erst die Zeitung „Die Welt“ berichtete darüber in ihrer Dienstagsausgabe und warf Gauck vor, damit gegen einen „geschichtspolitischen Konsens“ verstoßen zu haben. Gauck war daraufhin mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten, in das er aber - und dies ist ein Novum in der bundesrepublikanischen Geschichte - noch gar nicht gewählt war. Schon zuvor hatte er angesichts der überbordenden Berichterstattung über sich eine gewisse Amtsmüdigkeit erkennen lassen.

Ehrensold oder Diensttaxi

Die Regierungskoalition, die ihn ursprünglich gar nicht wollte, dann aber plötzlich doch, zeigte sich dennoch überrascht von diesem Schritt, der natürlich allerhöchsten Respekt verdiene, aber sonst nichts. Es sei schon ein Unding, ließ Kanzlerin Merkel säuerlich wissen, dass es sich ein Kandidat, der, wie man wisse, ja nie der ihre gewesen sei, herausnehme, schon vor seiner Wahl so einfach hinzuschmeißen. Zu der Frage, ob Gauck damit auch die schon anberaumte Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin wieder knicken könne, wollte sich Merkel nicht äußern: Was nicht privat sei, dürfe auch nie privat werden.

Unterdessen wird in den im Bundestag vertretenen Parteien darüber gestritten, ob Gauck unter diesen Umständen überhaupt ein Ehrensold zustehe oder ob es nicht genüge, wenn der Berliner Taxifahrer, der Gauck nach seiner Nominierung ins Kanzleramt gefahren hatte, diesem auch weiterhin zur Verfügung stehe. Entschlossen und zuversichtlich gab man sich vorläufig nur in einem: Es werde ja wohl noch gelingen, einen neuen Kandidaten zu finden, den man dann wieder zügig verheizen könne.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Reents, Edo (edo.)
Edo Reents
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