FAZ plus ArtikelFreiheitsbeschränkungen

Abschied von der heilen Welt

Von Martin Hellwig
15.05.2020
, 06:20
Die Grenzen der Eigenverantwortung: Ohne Staatseingriffe würden in der Corona-Pandemie viel mehr Menschen sterben. Ein Gastbeitrag.

Was ist zu tun, wenn die Pandemie sich wieder beschleunigen sollte? Die oft zu hörende pauschale Aussage, die Freiheitsbeschränkungen dienten dem Schutz des Lebens, postuliert für diese Diskussion eine Werteabwägung „Freiheit – Leben“ und provoziert so etwas wie die Formulierung von Wolfgang Schäuble, der Schutz des Lebens gelte nicht absolut. Sie legt auch den Einwand nahe, die Menschen sollten doch selbst entscheiden können, welchen Risiken sie sich aussetzen. Sowohl der Deutsche Ethikrat als auch die Leopoldina haben gemahnt, man solle mehr auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen.

Ein Zeitungsbericht über die Stellungnahme des Ethikrats stand sogar unter der Überschrift „Wer ethisch handelt, darf Menschenleben gefährden“. Ich war darüber erstaunt und fragte mich, was das wohl für Raserprozesse bedeuten würde. Muss das Gericht da prüfen, ob ein Raser ethisch gehandelt hat und deshalb Leben gefährden durfte? Ich war dann beruhigt, zu lesen, dass vor allem das Recht zur Gefährdung des eigenen Lebens gemeint war. Der Ethikrat mahnte auch, immer die Risiken für andere zu berücksichtigen, ohne das allerdings zu konkretisieren.

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