Streit um Urheberrechte

Die letzten Geheimnisse von „Pulp Fiction“

Von Claudius Seidl
18.11.2021
, 20:31
Samuel L.Jackson und John Travolta in „Pulp Fiction“
Quentin Tarantino will nicht veröffentlichte Szenen aus seinem Film „Pulp Fiction“ als NFTs versteigern. Die Produktionsfirma Miramax hat ihn wegen Verletzung des Urheberrechts verklagt.
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Dass Quentin Tarantino sich als Universalgenie betrachtet, haben seine Bewunderer wie seine Gegner seit Langem vermutet. Als Regisseur, Drehbuchautor, Schriftsteller, Produzent stellt er sich gern selbst vor – jetzt zieht es ihn auch noch in den Kunstbetrieb. Und das bringt ihm großen Ärger ein.

Am 2. November hat Tarantino angekündigt, er werde sieben NFTs versteigern, non-fungible tokens, also nicht kopierbare digitale Werke. Sichtbar und hörbar nur für den jeweiligen Besitzer würden diese NFTs die letzten Geheimnisse rund um Tarantinos „Pulp Fiction“ enthüllen; es gehe um handschriftliche Drehbuchseiten zu Szenen, die es nicht in den fertigen Film geschafft hätten, sowie um Tarantinos Kommentare dazu und zu anderen Rätseln des Films. Absolut originell ist diese Idee aber nicht; auch zum neuen James-Bond-Film gibt es Merchandise in dieser Form. Und genau in diesem Medium versprechen sich die Studios einen ganz neuen Markt: mit Fan­artikeln, die womöglich attraktiver und teurer als T-Shirts oder Laserschwerter aus Plastik wären.

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Und eben deshalb hat Miramax, die Produktionsfirma von „Pulp Fiction“, die damals vom notorischen Harvey Weinstein geführt wurde, jetzt Klage eingereicht vor einem Gericht in Kalifornien, wegen Vertragsbruchs und unfairen Wettbewerbs. Miramax sei im Besitz sämtlicher Rechte, erklären die Anwälte der Firma laut der Zeitung New York Times, und wenn Tarantino jetzt Geschäfte mit NFTs rund um „Pulp Fiction“ mache, hindere er die Rechteinhaberin Miramax daran, das Gleiche zu tun. Genau das habe sie aber längst vorgehabt – und Tarantino habe es nicht einmal für nötig gehalten, sich mit der Firma abzusprechen. Tarantino entgegnet, dass die Rechte am Drehbuch bei ihm verblieben seien. Was Miramax behaupte, sei einfach falsch.

Der Streit verweist, wie der Streit Scarlett Johanssons mit dem Disney-Studio, darauf, dass die alten Macht- und Besitzverhältnisse längst nicht mehr auf dem Stand der neuesten Produktions- und Distributionstechniken sind. Als Tarantino und Miramax 1993 ihren Vertrag über die Rechte an „Pulp Fiction“ aushandelten, gab es noch nicht mal DVDs – wie wären da Urheberrechte an einem digitalen Unikat verhandelbar gewesen. Insofern wird der Ausgang des Streits folgenreich sein – und für Fans völlig unerheblich. Nur sieben Besitzer werden die Geheimnisse von „Pulp Fiction“ erfahren.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Seidl, Claudius
Claudius Seidl
Redakteur im Feuilleton.
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