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Sport im Fernsehen

Jetzt jubelt doch!

EIN KOMMENTAR Von Michael Hanfeld
 - 19:54
Wenn das kein Jubel ist: Die Mannschaft von Werder Bremen nach dem Sieg im DFB-Pokal gegen den BvB.

Ewald Lienen hatte in der Talkshow „Sky90“ der „Fußballdebatte“, am vergangenen Sonntag seinen Trappatoni-Moment. Also den Augenblick, in dem die Wahrheit raus muss. Der Dortmunder Stürmer Marco Reus hatte sich im Einspieler, wie es seine Art ist, zurückhaltend zu den Meisterschaftschancen seiner Mannschaft geäußert. Das fand Moderator Patrick Wasserziehr angesichts des Vorsprungs der Dortmunder auf Gladbach und Bayern zum Piepen.

Nicht so Ewald Lienen, der Mann mit dreißigjähriger Trainer-Erfahrung. „Wie lange braucht ihr eigentlich noch“, legte er los, „um zu begreifen, dass wir in Deutschland, im Fußball, im Sport generell, nicht erfolgreicher sind, wenn wir darüber reden? Oder wenn wir fordern, dass wir irgendwas gewinnen? Ich habe mich vor kurzem schwarzgeärgert über die Handball-WM, weil ich die Reporter gesehen habe, die so am Geifern waren, um diesen Titel zu gewinnen, bis die Leute selbst nicht mehr daran geglaubt – oder gedacht haben, wir sind schon Meister. Da steht die Schale, willst du die? Ich habe mich schwarzgeärgert, weil ich gewusst habe, das geht in die Hose.“

Das ging es bekanntlich, doch hat man nicht den Eindruck, dass die daueraufgeregten Sportreporter Lienens Mahnung hören. Auch nicht die bei der ARD, die am Dienstag bei der Übertragung des DfB-Pokalspiels Dortmund gegen Bremen genau so aufgeregt waren, wie es Lienen auf den Wecker geht. Die ausgepumpten Sieger und deren Trainer fragten sie erwartungsvoll nach den „Emotionen“, die ein solches Spiel, das im Elfmeterschießen entschieden wurde, hervorbringe.

Dabei hatte die Emotionen doch jeder gesehen, als die Bremer nach Max Kruses letztem Schuss zur Fankurve rannten. Aber nein, bei Alexander Bommes im Studio musste es weitergehen mit atemlosem Eifer. Juchheißa, Juchhei! Jetzt wird gefälligst gejubelt! Dabei sind die Bremer erst im Viertelfinale. Die ARD sollte anstelle des höflichen Experten Thomas Hitzlsperger, der sich von Bommes immer anstecken lässt, mal zwischendurch Ewald Lienen holen. Dem fällt zu dem Trubel schon was ein.

Quelle: F.A.Z.
Michael Hanfeld  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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