FAZ plus ArtikelReise durch Indiens Literatur

Die Sprache der Leere

Von Philipp Theisohn
08.06.2020
, 08:04
Eine hindustische Frau legt während einer Gebetszeremonie zur Befreiung der Welt von der Corona-Pandemie am Ufer des Flusses Brahmaputra Blüten in den Sand.
Welche dunkle Verbindung gibt es zwischen der indischen Dichtung und der politischen Gegenwart? Und kann die Poesie den Dialog in dem zerrissenen Land befördern? Eine Reise durch Indien und seine Literatur.
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Seit kurzem bewegt sich auch Indien wieder schrittweise und in regionalen Abstufungen aus dem Lockdown. Aus der Quarantäne entlassen wird damit auch die lebendige Erinnerung an die größten Ausschreitungen seit zwanzig Jahren, bei denen Ende Februar in Delhis Nordosten mindestens 53 Menschen ums Leben kamen – der vorläufige Höhepunkt einer politischen Eskalation, die zuvor schon viele Höhepunkte gesehen hatte. An ihrem Ausgang stand der im Dezember von der indischen Regierung verabschiedete „Citizenship Amendment Act“ (CAA). Der Erlass verspricht den bisher illegal in Indien sich aufhaltenden Flüchtlingen aus Pakistan, Bangladesch und Afghanistan den schnellen und unbürokratischen Erwerb der indischen Staatsbürgerschaft nach sechs Jahren (bislang sind es zwölf).

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Allerdings nennt er unter den adressierten Gruppierungen die Parsen, Christen, Jain, Hindus und Sikh, aber nicht die in Indien immerhin zweihundert Millionen Menschen zählende Bevölkerungsgruppe der Muslime. Entzifferbar wurde das Gesetz somit als ein Dokument der „Hindutva“, des von Narendra Modi und seiner Indischen Volkspartei befeuerten Hindunationalismus, der nicht nur die in der indischen Verfassung verankerte Koexistenz der Religionen, sondern auch den säkularen Charakter des indischen Staates überhaupt in Frage stellt.

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