Einstweilige Verfügung

Vatikan gegen Titanic - 1:0

Von Oliver Kühn
12.07.2012
, 15:31
Hier bleibt der Papst trocken: Auf seiner Startseite veröffentlicht das Magazin inzwischen diese Fotomontage
Im Rechtsstreit mit der Kirche will das Satiremagazin Titanic kämpfen bis zum „Jüngsten Gericht“. Trotz der einstweiligen Verfügung findet das Magazin Grund zur Freude.
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Das Satiremagazin „Titanic“ will Widerspruch gegen die am Dienstag erlassene Einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg einlegen. In der Verfügung heißt es, die „Titanic“ dürfe - unter Androhung einer Geldstrafe von bis zu 250.000 Euro - das Titelbild sowie die Rückseite der aktuellen Ausgabe nicht mehr verbreiten. Die Bilder zeigen den Papst von vorn und von hinten, mit in der Leibesmitte befleckter Soutane und der Aussage, es sei eine undichte Stelle im Vatikan gefunden worden.

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Das Blatt nimmt damit Bezug auf die Vatileaks-Affäre, in der in jüngster Vergangenheit vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt waren. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sieht dem Widerspruch des Magazins mit Gelassenheit entgegen, wie er sagte. Für ihn sei die schnelle Entscheidung des Gerichts erfreulich, sie zeige, wo Satire aufhöre und Menschen verletzt würden.

Jetzt mit Limonade statt des Flecks

Leo Fischer, Chefredakteur der „Titanic“, kündigte an, den Widerspruch möglichst noch vor dem Wochenende einzureichen. Man sei bereit, sämtliche Rechtsmittel auszuschöpfen und notfalls bis „zum Jüngsten Gericht“ zu ziehen, hieß es. Die Reaktion des Papstes habe die Redaktion erfreut, da es nicht alltäglich sei, Post vom Pontifex zu bekommen, sagte Fischer. Außerdem habe es am Dienstag und Mittwoch mehr als hundert neue Abonnenten gegeben, im Gegensatz zu sonst rund zehn am Tag.

Auf der Internetseite ist das inkriminierte Bild derweil geschwärzt und mit dem Schriftzug „Verboten“ versehen. Statt dessen wird auf der Startseite eine Fotomontage des Papstes gezeigt, der zwei überschäumende Limonadenflaschen in den Händen hält. Damit bezieht sich die „Titanic“ auf ihre Erklärung des Titelbildes, der Papst habe in freudiger Erregung ein Glas Brause über seine Soutane verschüttet.

Auch außerhalb des Vatikans sind die Bilder des Papstes auf Widerspruch gestoßen. Beim deutschen Presserat gingen mehr als 25 Beschwerden gegen die „Titanic“ ein. Der CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Goppel, Sprecher der christsozialen Katholiken, sagte, man dürfe mit einem Menschen, und erst Recht mit dem Papst, so nicht umgehen. Er würde Leo Fischer „die Lizenz zum Schreiben entziehen“. Unterstützung erhielt das Magazin vom Deutschen Journalisten-Verband. Dessen Vorsitzender Michael Konken bezeichnete die Entscheidung des Gerichts als überzogen und die Bilder als legitim, denn auch der Papst müsse sich Satire gefallen lassen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kühn, Oliver
Oliver Kühn
Redakteur in der Politik.
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