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Illustration: Kat Menschik

Der Urlaub kommt, die Sonne auch, und die Frage ist: Was sollen wir lesen? Was sollen wir hören? Was sehen? Wir haben da, wie jedes Jahr, ein paar Empfehlungen.

Das Buch für zu Hause

Eleonore Büning empfiehlt:
„Aus Klimbams Garten: Irene und Eduard Erdmann in persönlichen Erinnerungen“. Wachholtz, 24 Euro. „Ümma blots Klimbam mit keen Melodie in“, sagten die Nachbarn über das, was aus dem Asyl des Pianisten Eduard Erdmann drang.
Julia Encke empfiehlt:
Sibylle Berg: „GRM. Brainfuck“. Kiepenheuer & Witsch, 25 Euro. Umwerfend und radikal. Mit einem hypersensiblen Gespür für das Menschliche, für Verletzlichkeiten und für menschliche Abgründe.
Paul Ingendaay empfiehlt:
Federico Italiano / Jan Wagner (Hg.): „Grand Tour – Reisen durch die junge Lyrik Europas“. Hanser, 36 Euro. Dieser schön gebundene Atlas europäischer Dichtkunst ist zu dick zum Mitnehmen, aber ideal zum Anlesen, Festlesen, Vorlesen.
Andreas Kilb empfiehlt:
Raymond Queneau: „Zazie in der Metro“. Suhrkamp, 22 Euro. Als Grass und Böll noch deutschen Trübsinn bliesen, jagte Raymond Queneau ein Schulmädchen durch die Straßen von Paris. Frank Heiberts Neuübersetzung ist die ideale Gelegenheit, Zazie wiederzuentdecken.
Peter Körte empfiehlt:
Marente de Moor: „Aus dem Licht“. Hanser, 23 Euro. Wie der Erfinder des Kinos einfach spurlos verschwand, die einmal in Bewegung geratenen Bilder sich jedoch nicht mehr aufhalten ließen.
Barbara Liepert empfiehlt:
Alexander von Humboldt: „Ansichten der Natur“. Die Andere Bibliothek, 24 Euro. Das Lieblingswerk des Autors ist als schöner Extradruck erschienen, darf nicht in Sand oder in Sonnenölfinger.
Niklas Maak empfiehlt:
Charles Baudelaire: „Le Spleen de Paris“, Rowohlt, 40 Euro. Für alle, die gerne im Paris des 19. Jahrhunderts Sommerferien machen würden. Die frühen Gedichte erstmals auf Deutsch.
Anna Prizkau empfiehlt:
Hanjo Kesting: „Große Erzählungen der Weltliteratur“. Wallstein, drei Bände, 39,90 Euro. Wichtig, weil Kesting von den berühmtesten Short Storys dieser Welt erzählt und von deren Verfassern. Von Kafka, klar. Und Puschkin sowieso. Und anderen guten Typen.
Kolja Reichert empfiehlt:
Tom McCarthy: „Schreibmaschinen, Bomben, Quallen: Essays“. Diaphanes, 20 Euro. Shakespeare, Quallenplagen, die Geschichte der Wetteraufzeichnung: Mit an Sebald grenzender Datendichte bricht McCarthy das Reale im Imaginären.
Cord Riechelmann empfiehlt:
Michail Ryklin: „Leben, ins Feuer geworfen. Die Generation des großen Oktober“. Suhrkamp, 25 Euro. Derselbe Denunziant, der Ryklins Großvater erschoss, rettete später dem Biographen des Großvaters das Leben vor den Bolschewiki.
Tobias Rüther empfiehlt:
Bret Easton Ellis: „Weiß“. Kiepenheuer & Witsch, 20 Euro. Weil man es nur zu Hause an die Wand werfen kann – um es wieder aufzuheben und weiterzulesen. Seltener Mix aus Genie und Ressentiment.
Florentin Schumacher empfiehlt:
Bret Easton Ellis: „Weiß“. Kiepenheuer & Witsch, 20 Euro. Ein Sound, der so brutal zieht, dass man nicht mal hinterherkommt zu verstehen, was da jetzt so süchtig macht.
Claudius Seidl empfiehlt:
Zadie Smith: „Freiheiten. Essays“. Kiepenheuer & Witsch, 26 Euro. Man will ihrer Sprache ständig zustimmen und ihrem Pessimismus ständig widersprechen. So bleibt die Spannung hoch.
Mark Siemons empfiehlt:
Peggy Mädler: „Wohin wir gehen“. Galiani Berlin. 20 Euro. Ein Buch von einer unfasslich schönen Einfachheit, über Familien und Freundschaften zwischen Brno, Liberec und Berlin von den dreißiger Jahren bis heute.
Harald Staun empfiehlt:
Sibylle Berg: „GRM/Brainfuck“, Kiepenheuer & Witsch, 25 Euro. Der Beweis, dass Literatur doch härter, dunkler, erschütternder sein kann als eine „Black Mirror“-Folge.


Nächstes Kapitel:

Das Buch für den Strand


Das Buch für den Strand

Eleonore Büning empfiehlt:
Volker Hagedorn: „Der Klang von Paris. Eine Reise in die musikalische Metropole des 19.Jahrhunderts“. Rowohlt, 25 Euro. Endlich ein satisfaktionsfähiges Supplement zu Siegfried Kracauers berühmter Gesellschaftsbiographie. Nur heißt der Held Hector Berlioz.
Julia Encke empfiehlt:
Michaela Karl: „,Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen’: Maeve Brennan“. Hoffmann & Campe, 22 Euro. Sehr gut geschriebene Biographie über die zu Unrecht viel zu unbekannte amerikanische Schriftstellerin.
Paul Ingendaay empfiehlt:
Jenny Friedrich-Freksa: „Pferde“. Hanser Berlin, 18 Euro. Ein hinreißend geschriebenes und mit nostalgischem Charme illustriertes (Federzeichnung!) Brevier für Pferdefreunde, eine Liebeserklärung und die persönliche Geschichte einer lebenslangen Faszination.
Andreas Kilb empfiehlt:
Karl-Heinz Kohl / Fritz Kramer / Johann Michael Möller / Gereon Sievernich / Gisela Völger: „Das Humboldt Forum und die Ethnologie“. Kula, 17 Euro. Was Sie schon immer über das Humboldt Forum hätten wissen sollen. Nur hat es bisher keiner gesagt.
Peter Körte empfiehlt:
Philip Kerr: „Metropolis“. Quercus, 22,95 Euro. Kerrs Vermächtnis, vorerst nur auf Englisch: Wie alles anfing mit Bernie Gunther, 1928 in den Straßen von Berlin.
Barbara Liepert empfiehlt:
Gerd Wagner: „Gestrandete Riesen“. Edition Zeitblende im AT-Verlag, 38 Euro. Wirklich mal ein anderes, verspieltes Buch über Grandhotels. Gut im Strandkorb in den Badepausen zu lesen.
Niklas Maak empfiehlt:
Patti Smith: „Hingabe“. Kiepenheuer & Witsch, 18 Euro. Ein Buch der amerikanischen Sängerin über Besuche im Haus von Albert Camus und über das Schreiben an sich – und ein Beweis dafür, dass auch Prosatexte wie Songs klingen können.
Anna Prizkau empfiehlt:
Lucia Berlin: „Welcome Home: Erinnerungen, Bilder und Briefe“. Kampa, 24 Euro. Was sie als Kind sieht (Halb-Amerika), was sie als Frau trinkt (viel zu viel), und jedes Wort, das sie geschrieben hat – ihr Leben ist gebrochen, dunkel, hell und groß so wie Berlins Literatur.
Kolja Reichert empfiehlt:
Ulf Erdmann Ziegler: „Die Erfindung des Westens“. Suhrkamp, 20 Euro. Von den Geschwistern Scholl über Adenauer und Otl Aicher bis Donna Summer erzählt Ziegler die BRD durch den Blick von „Twen“-Fotograf Will McBride, der den Täterkindern den Hedonismus zeigte.
Cord Riechelmann empfiehlt:
Kai Marchal: „Tritt duch die Wand und werde, der du (nicht) bist: Auf den Spuren des chinesischen Denkens“. Matthes & Seitz, 28 Euro. Wer so seelenruhig versucht, ins chinesische Denken einzudringen, passt an jeden Strand.
Tobias Rüther empfiehlt:
Richard Wright: „Sohn dieses Landes“. Kein & Aber, 24 Euro. Der Schlüsselroman der afroamerikanischen Emanzipation, fast achtzig Jahre alt – oder keinen einzigen Tag.
Florentin Schumacher empfiehlt:
Sibylle Berg: „GRM. Brainfuck“. Kiepenheuer & Witsch, 25 Euro. Für alle, die nicht mit Ellis am Strand gesehen werden wollen. Und für Sätze wie: „Don ist noch nie verreist. Dafür hatte sie Google Street View.“
Claudius Seidl empfiehlt:
Joan Didion: „Woher ich kam“. Ullstein, 20 Euro. Wer „Weiß“ gelesen hat, findet hier, was ihm dort gefehlt hat. Schon das Titelbild verweist auf den Strand (und der neue, postume Foucault wird erst im Herbst gelesen).
Mark Siemons empfiehlt:
Mawil: „Kinderland“. Reprodukt. 9,95 Euro. Wie es in Ost-Berlin 1989 wirklich aussah: Klassischer Comic über die Abenteuer des Mirko Watzke aus der 7a der EOS Tamara Bunke, jetzt als Taschenbuch.
Harald Staun empfiehlt:
Jörg Fauser: „Rohstoff“. Diogenes, 24 Euro. Ist Fausers Roman von 1984, aus heutiger Sicht, wirklich nur spießige Mackerliteratur? Sollte man anlässlich der Neuauflage dringend mal wieder überprüfen.

Nächstes Kapitel:

Das Sachbuch


Das Sachbuch

Eleonore Büning empfiehlt:
Castorf/Wagner: „Der Ring des Nibelungen, 2013–2017 in Bayreuth“. La Pommerie Editions, 69 Euro. Warum kommen die Franzosen schon wieder so viel besser klar mit den Abgründen der deutschen Seele? Ein Prachtbuch!
Julia Encke empfiehlt:
Philippe Lançon: „Der Fetzen“. Tropen, 25 Euro. „Wie lange braucht man, um zu spüren, dass der Tod kommt, wenn man nicht mit ihm rechnet?“ Lançon hat das Attentat auf „Charlie Hebdo“ überlebt und schreibt atemberaubend um sein Leben.
Paul Ingendaay empfiehlt:
Robert A. Caro: „Working“. Researching, Interviewing, Writing. Knopf, 20 Euro. Der konzentriert und mit Understatement daherkommende Werkstattbericht des mutmaßlich größten Biographen unserer Zeit – und ein spannendes Lehrbuch für alle, die sich mit dem Schreiben beschäftigen.
Andreas Kilb empfiehlt:
Tim Blanning: „Friedrich der Große: König von Preußen“. C. H. Beck, 34 Euro. Längst hatte ich genug vom Alten Fritz. Aber dieses Buch ist wie eine Lichtung im deutschen Geschichtsnebel, britisch kühl und preußisch klar. Erst jetzt kann man die Akte Friedrich schließen.
Peter Körte empfiehlt:
Catherine Nixey: „Heiliger Zorn. Wie die frühen Christen die Antike zerstörten“. DVA, 25 Euro. Ist die Spätantike wirklich so weit von uns entfernt? Und wer waren die wahren Barbaren?
Barbara Liepert empfiehlt:
Roger Hanlon, Mike Vecchinone, Louise Allock: „Octopus & Co“. Delius Klasing, 29,90 Euro. Was zuletzt der Flamingo war, ist jetzt der Krake – überall. Und völlig zu Recht, wie dieses Buch zeigt.
Niklas Maak empfiehlt:
Iris Wenderholm, Maurice Saß: „Mutter Erde“. Imhof, 39,90 Euro. Alle reden von Klimawandel und Naturschutz, dieses kluge Buch erklärt am Beispiel einer Kunstgeschichte der Natur, woher unsere Vorstellungen von ihr kommen.
Anna Prizkau empfiehlt:
„Wie Männer sich die Frau von morgen wünschen“. Hrsg. von Barbara Sichtermann. Ebersbach & Simon, 18 Euro. Okay, cool: Schon 1929 dachten denkende Männer über Frauen nach. Mit Essays von Max Brod und Stefan Zweig und anderen. Den einen ging es um den Sex, den anderen um die Utopie. Wie heute, also. Fast.
Kolja Reichert empfiehlt:
Byung-Chul Han: „Vom Verschwinden der Rituale: Eine Topologie der Gegenwart“. Ullstein, 20 Euro. Nächste Folge der apokalyptischen Verlustanzeigen-Serie dieses rastlosen Denkers des Offensichtlichen, der in Bernhardscher Dialektik ex negativo den Raum des immer noch Möglichen aufzeigt.
Cord Riechelmann empfiehlt:
Alain Ehrenburg: „Die Mechanik der Leidenschaften. Gehirn, Verhalten, Gesellschaft“. Suhrkamp, 34 Euro. In einer Zeit, in der die EU 1,5 Millionen ausgibt, um menschlichen Autismus an Nachtigallen zu erforschen, indem man ihnen feine Drähte ins Hirn fädelt, das Buch gegen solchen Schwachsinn.
Tobias Rüther empfiehlt:
Jens Balzer: „Pop und Populismus. Über Verantwortung in der Musik“. Edition Körber, 17 Euro. Die Kids sind schon lange nicht mehr in Ordnung: Der originellste Popkritiker des Landes sortiert die Debatten um BDS, Bushido, Freiwild, Gabalier.
Florentin Schumacher empfiehlt:
Jan Wehn / Davide Bortot: „Könnt ihr uns hören? Eine Oral History des deutschen Rap“. Ullstein fünf, 20 Euro. Von Cora E. bis Bonez MC haben die Hip-Hop-Journalisten Bortot und Wehn die Geschichte von Deutschrap zusammenmontiert, erzählt von Deutschlands Rappern.
Claudius Seidl empfiehlt:
Gideon Rachman: „Asiens Stunde – Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert“. Weltkiosk, 19,90 Euro. Nicht nur für jene Deutschen, die glauben, die größte Herausforderung ginge vom Islam aus. Für die aber ganz besonders.
Mark Siemons empfiehlt:
Parag Khanna: „The Future is Asian. Global Order in the Twenty-First Century“. Weidenfeld & Nicolson. 13,99 Euro. Diese kluge Analyse eines Politikberaters, der Berlin so gut kennt wie Singapur, will gar nicht überzeugen, sondern nur feststellen.
Harald Staun empfiehlt:
Michael Pollan: „Verändere dein Bewusstsein“. Kunstmann, 26 Euro. Wie schafft man es, halbwegs nüchtern vom Rausch zu erzählen? Pollan findet Worte für das Unbeschreibliche.

Nächstes Kapitel:

Musik für unterwegs


Musik für unterwegs

Eleonore Büning empfiehlt:
„Madame Schumann“ (Berlin Classics/ Edel). Zurück in die Zeit, als es noch keine Tonaufzeichnungen gab: Man hörte Musik damals anders, ausdauernder, bunter, wilder. Eingespielt von der Pianistin Ragna Schirmer.
Julia Encke empfiehlt:
The National: „I Am Easy to Find“ (Indigo). Erst denkt man, es sei alles wie früher – ist es aber nicht, wo Matt Berninger Sharon Van Etten, Kate Stables oder Gail Ann Dorsey das Mikro überlässt.
Paul Ingendaay empfiehlt:
Händel: „Serse“ (DG): Händels Xerxes-Oper mit dem berühmten „Ombra mai fu“ gehört in die Hände von Vokalisten wie Franco Fagioli, Vivica Genaux und den weiteren Stars dieser Aufnahme. Ziemlich zu Herzen gehend. Unbedingt kennenlernen!
Peter Körte empfiehlt:
Bruce Springsteen: „Western Stars“ (Columbia). Der Boss altert gut. Beim Hören sieht man das Roadmovie vor sich oder den Western, die zu dieser Musik passen würden. Und das sind einige.
Barbara Liepert empfiehlt:
Tiken Jah Fakoly: „Le monde est chaud“ (Barclay). Gutgelaunte Klimawarnung vom Ausnahmemusiker der Elfenbeinküste. Am besten auf dem Rad oder im Zug hören.
Niklas Maak empfiehlt:
Mark Reeder: „Five Point One“( K.E.C. International). Wiederentdeckung des Sommers. Beste Coverversionen des Anne-Clark-Songs „If“ und des John-Foxx-Meisterwerks „Underpass“. Am besten auf einer Autobahn nachts hören.
Anna Prizkau empfiehlt:
Ebow: „K4L“ (Problembär Records). Sie! Weil keine Frau in diesem Deutschland echter und besser und so scharf, dass es weh tut, die Line „Kanak for Life“ rappt, wie es Ebow auf „K4L“ macht.
Kolja Reichert empfiehlt:
Octavian: „Endorphins“ (Black Butter Limited). Der Trap und Azonto verschmelzende 23-jährige Oliver Godji ist der neue dunkle Rap-Halbgott. Auf seinem zweiten „Mixtape“ murmelt er locker Gäste wie Grime-Star Skepta weg.
Cord Riechelmann empfiehlt:
Natascha P.: „Adler“ (Problembär Records / Rough Trade). Es geht zuerst um Haltung, darum, dass aus einer Putzfrauentochter nie im Leben eine Bank-CEO-Tochter wird. Es geht gegen soziale Opazität und was das mit Adlern zu tun hat.
Tobias Rüther empfiehlt:
Cassius: „Dreems“ (Ed Banger/ Because Music/ Caroline International). Philippe Cerboneschi ist tot, der „Zdar“ des French House. Die letzte Platte seiner Band tröstet nicht, im Gegenteil.
Florentin Schumacher empfiehlt:
Lil Nas X: „Old Town Road“ (Columbia/ Sony). Schlimm, aber geil, zu dieser Todesmischung aus Country und Rap, die ein kaltblütiger Popsaupriester zusammengemixt hat, in den Sonnenuntergang zu reiten und zu vergessen, dass das Pferd ein Leihfahrrad von Lidl ist.
Claudius Seidl empfiehlt:
Dr. John: „Goin’ Back to New Orleans“ (Warner/Rhino). Wohin sonst sollte man musikalisch auch unterwegs sein. Für alle, die erst in den Nachrufen von ihm gehört haben. Danach: „Gris Gris“!
Mark Siemons empfiehlt:
Rory Gallagher: „Blues“ (Universal). Bisher unveröffentlichte Aufnahmen von Gallagher, ausgegraben mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod.
Harald Staun empfiehlt:
Stereolab: „Transient Random-Noise Bursts with Announcements“ und „Mars Audiac Quintet“ (Warp). Sieben Alben legt die fröhlichste Postrock-Band der Neunziger in diesem Jahr wieder auf. Zwei sind schon da. Reicht dank Bonusmaterial fast von Paris nach London und zurück.

Nächstes Kapitel:

Musik für zu Hause


Musik für zu Hause

Eleonore Büning empfiehlt:
Wilhelm Furtwängler: „The Radio Recordings 1939–1945“ (22 CDs, Berliner Philharmoniker Recordings). Wie perfekt das Schönste im Schrecklichen überleben kann.
Julia Encke empfiehlt:
Charlotte Gainsbourg: „Rest“ (Because /Warner). Die für mich perfekte Chanson-Elektro- Mischung.
Paul Ingendaay empfiehlt:
Estrella Morente: „Copla“ (Universal). Eine der großen spanischen Flamenco-Ladys, Tochter des großen Enrique Morente, hier mit Schmerz, Schmalz und Pathos, wie es sich alle paar Monate für jeden mal gehört.
Andreas Kilb empfiehlt:
Jordi Savall / Hesperion XXI: „Ibn Battuta: Der Reisende des Islam (1304–1377)“ (Alia Vox / Harmonia Mundi). Wer wirklich ernsthaft in eine fremde, historisch weit entfernte Erlebniswelt eintauchen will: Hier ist die Gelegenheit.
Peter Körte empfiehlt:
Jon Savage: „This Searing Light, The Sun and Everything Else: Joy Division: The Oral History“. Faber and Faber, 19,84 Euro. Beim Lesen unbedingt „Unknown Pleasures“ hören.
Barbara Liepert empfiehlt:
Dendemann: „Da nich für“ (Vertigo). Deutsche Wortakrobatik mit Inhalt.
Niklas Maak empfiehlt:
Sleaford Mods: „Eton Alive“ (Extreme Eating / Cargo). Nicht das, was die Mehrheit angenehme Musik nennt. Aber besser als das britische Elektropunk-Duo erklärt keiner, was mit dem Brexitland wirklich los ist.
Anna Prizkau empfiehlt:
Vengaboys: „Geatest Hits!“ (Violent). Seit Straches Sommerauftritt dieses beinahe politische und neue, alte Nummer-1-Lied in Dauerschleife hören und davon träumen, mit Venga-Airways wegzufliegen, weil „Fly me high / Ibiza sky . . . Whoah“!
Kolja Reichert empfiehlt:
Keith Jarrett: „J. S. Bach: The Well- Tempered Clavier, Book I (Live in Troy, NY / 1987)“ (ECM). Ja, echt, eine neue Jarrett-Bach-Platte, jede Note swingt und perlt so schön.
Cord Riechelmann empfiehlt:
Madonna: „Madame X“ (Universal). Schon der erste Song, „Medellin“, verbrennt alle mittelalten Kritiker, die sich mit dem Alter von Frauen auskennen, zu der Asche, aus der sie nicht mehr aufstehen werden.
Tobias Rüther empfiehlt:
Bruce Springsteen: „Western Stars“ (Columbia). Lauter leise Hymnen des Zeit- und Heimwehs. Im September wird er siebzig. Glaubt kein Mensch.
Florentin Schumacher empfiehlt:
Rosalía: „Aute Cuture“ (Columbia/ Sony). „Esto está encendío“ singt sie im Refrain ihrer Modeode, was auf Deutsch so was wie „Das ist Feuer“ hieße und deshalb zum Glück auf Spanisch ist. Ein Song, damit man nicht lang zu Hause bleibt.
Claudius Seidl empfiehlt:
Berliner Philharmoniker mit Kiril Petrenko: „Symphonie Nr. 6 von Tschaikowsky“ (Berliner Philharmoniker). Gehört eigentlich zu den guilty pleasures. Klingt hier atemberaubend.
Mark Siemons empfiehlt:
Yo-Yo Ma: „Six Evolutions. Bach Cello Suites“ (Sony). Der New Yorker Musiker reist mit Bachs Cello-Suiten, durch die ganze Welt, um zu zeigen, was die Menschheit verbinden kann.
Harald Staun empfiehlt:
Deichkind: „Wer sagt denn das?“ (Sultan Günther Music / Universal). Das neue Album kommt erst im September, bis dahin bitte den Titelsong auswendig lernen. Sag ich.

Nächstes Kapitel:

Bewegte Bilder für einen Regentag


Bewegte Bilder für einen Regentag

Eleonore Büning empfiehlt:
Tom Volf: „Maria by Callas“ (Amazon Prime). Die Callas erklärt das Nichterklärbare: Was Kunst kann, und was sie kostet, jenseits des Kults.
Julia Encke empfiehlt:
Annekatrin Hendel: „Familie Brasch. Eine deutsche Geschichte“ (Salzgeber). Tolle Doku über eine der zerrissensten Familien der DDR, erzählt aus der Perspektive von Marion Brasch.
Paul Ingendaay empfiehlt:
„The Americans“, Staffel 5 (Netflix). Natürlich streift die Serie über ein superattraktives russisches Agentenpärchen in den Vereinigten Staaten in den siebziger Jahren immer wieder das Absurde, aber die Schauspieler sind grandios.
Andreas Kilb empfiehlt:
„Catch-22“ (6 Folgen, in Deutschland bei Amazon Starz Play). Der Zweite Weltkrieg hat die Streamingdienste erreicht. Und weil Regisseure wie George Clooney ihr Handwerk verstehen, fliegen sie uns mühelos in die Hölle der amerikanischen Bomberstaffeln über Italien.
Peter Körte empfiehlt:
„Suburra“ (zweite Staffel, Netflix). Rom habe sich in zweitausend Jahren nicht verändert, sagt Samurai in der ersten Staffel. Könnte sein, dass er recht hat. Caesar wüsste es.
Barbara Liepert empfiehlt:
Tim Burton: „Dumbo“ (Disney). Regentage sind traurig, dieser neu verfilmte Klassiker ist es auch. Und gut, dass die Tiere im Film nicht echt sind, nur die Schauspieler.
Niklas Maak empfiehlt:
Wird nicht regnen. Wenn doch: Tropfen am Fenster anschauen.
Anna Prizkau empfiehlt:
„Veep“ (Season7, HBO). Die Ex-Präsidentin will es schon wieder werden. Und Wahlkampf ist nicht leicht: „Why do I have to tell people why I want to be president? I mean, I don’t wanna hear about their jobs“, sagt sie in der ersten Folge, und es wird immer witziger und irrer.
Kolja Reichert empfiehlt:
Federico Fellini Edition (10 Blurays, Studiocanal). Es ist ein unfassbares Glück, vor einem großzügigen Fernseher in der laborhaften Schärfe der digitalen Restaurationen von „La Dolce Vita“ oder „Stadt der Frauen“ zu verschwinden.
Cord Riechelmann empfiehlt:
Luchino Visconti: „Bellissima“ (Mystorm). Wenn man so will, die Verfilmung von Alain Ehrenburgs Diagnose dieser Hirnoptimierungsgesellschaft, nur besser besetzt, und das nicht nur wegen Anna Magnani.
Tobias Rüther empfiehlt:
„When They See Us“ (Netflix) und von Ken Burns, Sarah Burns, David McMahon: „The Central Park Five“ (Youtube). Die wahre Geschichte eines Justizskandals, einmal als Serie, dann als Doku.
Florentin Schumacher empfiehlt:
„Chernobyl“ (HBO/Sky). Die am besten bewertete Serie aller Zeiten kann so schlecht nicht sein. Ist sie nicht, nur bisschen drüber. Das Menschenverachtende am Umgang mit der Nuklearkatastrophe zeigt „Chernobyl“ aber erschreckend gut, trotz des Superlativpathos.
Claudius Seidl empfiehlt:
„Dark“ (Netflix), zweite Staffel. Bislang versäumt. Wird jetzt endlich nachgeholt, hinter geschlossenen Jalousien an den heißen Tagen.
Mark Siemons empfiehlt:
Jon M. Chu: „Crazy Rich Asians“ (Warner Home Video). Turbulente Komödie über das Napoleon-Wort: „China ist ein schlafender Löwe. Lasst ihn schlafen, wenn er aufwacht, verrückt er die Welt.“
Harald Staun empfiehlt:
„Stranger Things“ (Staffel 1 und 2, Netflix). Zur Einstimmung für die 3. Staffel (4. Juli). Wer unbedingt was zum Anfassen will: Die Serie gibt's jetzt auch als Lego-Set „Die andere Seite“, mit Ober- und Unterwelt, Demogorgon und Lichtmodul (2287 Teile, 199,99 Euro).
Quelle: F.A.S.