FAZ plus ArtikelEuropäische Kulturhauptstadt

Kampf gegen die geschönte Geschichte

Von Paul Ingendaay, Kaunas
28.09.2021
, 06:17
Hauswand in Kaunas mit einem Porträt der litauisch-jüdischen Schriftstellerin  Leah Goldberg (1911 bis 1970)
Buddeln für die Zukunft, nicht für die Touristen: Kaunas, eine der drei Europäischen Kulturhauptstädte 2022, sucht nach seiner Identität und wagt den Blick in eine düstere Vergangenheit.

Im Kleinen spiegelt die Geschichte der Europäischen Kulturhauptstädte seit 1985 unser Nachdenken über Europa selbst. Wurden in den ersten Jahren dieses Investitionsprogramms die glänzenden Metropolen ausgewählt, um den Ruhm von Athen, Paris, Berlin oder Amsterdam zu mehren und Geld in die kulturelle Infrastruktur zu spülen, kam später die zweite Reihe dran. Und dann die dritte.

Inzwischen sind es jährlich drei Städte, manchmal sogar Dörfer, die sich die Ehre und den europäischen Geldsegen teilen, und wenn sie so nett miteinander umgehen wie hier, sind bei der Präsentation des Kulturhauptstadtprogramms 2022 in der einen Stadt sogar die beiden anderen dabei. So traten in Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens, auch Vertreter von Esch (Luxemburg) und Novi Sad (Serbien) auf die Bühne, und natürlich ist das richtig so: Woraus bestünde Europa, wenn nicht aus produktiven Zufallsbekanntschaften unter zusammengewürfelten, oft weit entfernten Nachbarn?

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ingendaay Paul
Paul Ingendaay
Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.
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