<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Kommentar zu Offenbacher Plan

16-Stunden-Tag für Kinder

Von Matthias Trautsch
 - 15:32

Traurig mag man nicht sein, dass aus diesem Plan der Stadt Offenbach erst einmal nichts wird. Wem ist gedient mit einer Kindertagesstätte, die von 6 bis 22 Uhr geöffnet hat? Den Kindern sicher nicht. So wertvoll der Besuch einer Kita, der Kontakt mit anderen Kindern, das gemeinsame Spielen, Streiten und Lernen auch sein mag – es ist eine Herausforderung. Die allermeisten Kinder sind spätestens nach acht Stunden erledigt.

Es ist denn auch zu hoffen, dass niemand ernsthaft daran denkt, sein Kind 16 Stunden täglich in die Kita zu schicken. Aber auch zehn oder zwölf Stunden – also alles, was über den normalen Arbeitstag eines Erwachsenen hinausgeht – ist zu viel, wenn es die Regel ist. Nicht nur wegen der Belastung durch Lärm und Trubel. Sondern auch, weil den Kindern sonst die Erfahrungen fehlen, die sie nur im Kreis der engsten Bezugspersonen – in der Regel den Eltern – oder auch mit sich allein sammeln können.

Unternehmen gefordert

Nun mag man einwenden, dass eine Öffnungszeit von 16 Stunden nur ein Angebot sei, das flexibel genutzt werden könne, je nachdem, wie es benötigt werde. Aber auch hier stellt sich die Frage: Wer benötigt es? Die Kinder sicher nicht. Gerade kleine Kinder brauchen Regelmäßigkeit, vertraute Strukturen und Personen – nur so können sie Neugier auf Unbekanntes entwickeln.

Nicht ohne Grund gibt es in den meisten Einrichtungen Kernzeiten, zu denen die Kinder nicht nur anwesend sein können, sondern auch sollen. Eine Kita ist kein Supermarkt, in den jeder nach Belieben hineinspaziert, sich im Regal bedient und wieder verschwindet. Ohne ein Mindestmaß an Schutz und Verbindlichkeit sind wichtige pädagogische und gruppendynamische Prozesse nicht möglich. Vermutlich ist auch das ein Grund, warum sich für die Kita am Offenbacher Hafen kein Personal gefunden hat. Erzieher begreifen sich zu Recht nicht als Aufsichts-, sondern als Bezugspersonen.

Und die Eltern? Vordergründig wäre manchen wohl damit gedient, das Kind je nach Schicht oder sonstigen beruflichen Anforderungen abgeben zu können. Aber letztlich sind es Arbeitgeber, die immer mehr Flexibilität einfordern und davon profitieren. Dass private Kita-Träger dementsprechende Angebote machen, muss man hinnehmen. Eine Stadt wie Offenbach sollte sich da aber zurückhalten.

Quelle: F.A.Z.
Matthias Trautsch
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenOffenbach