Ferien daheim

Wir sind dann mal spielen

Von Alex Westhoff
Aktualisiert am 22.07.2020
 - 17:27
Abenteuer Spielplatz: Ferien in der Region haben auch ihren Reiz.zur Bildergalerie
Sandkasten und Schaukel sind ganz schön, aber es darf auch mal etwas anderes sein. Abenteuerspielplätze bieten reichlich Anreize für daheimgebliebene Kinder. Vier Anregungen aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Mit Spielplätzen verhält es sich doch wie mit dem wahren Leben. Es gibt die guten und die schlechten, die langweiligen und aufregenden, die versifften und gepflegten – und davon jeweils viele. Hier sollen vier Spielplätze vorgestellt werden, die nicht jeder kennt, auf denen man aber bestens einen halben oder ganzen Ferientag mit der ganzen Familie verbringen kann in diesem coronageplagten Sommer. Was alle vier gemeinsam haben: gute Action für kleine und größere Kinder, reichlich Abwechselung, adäquate Picknickmöglichkeit und für die Kinder die Möglichkeit, mal den Elternblicken zu entfliehen.

Hochheim: Wie Tarzan

Ein Aussichtsturm nur für Kinder! Denn die schmalen Leitern und kleinen Luken, die es die vier Stockwerke hinauf zu bezwingen gilt, signalisieren ganz klar: Erwachsene nicht erwünscht. Nur, dass die Kinder für die weite Rundumsicht aus dem Turm für gewöhnlich nichts übrig haben. Sie peilen das dritte Stockwerk des kegelförmigen Baus an, denn dort befindet sich der Eingang zur Tunnelrutsche. Aus 15 Meter Höhe schraubt sie sich hinab, steil, schnell, fast wie im freien Fall.

Der Spielpark Hochheim ist für Kinder ein Ort, bei dessen erstem Anblick sie staunend stehenbleiben. Um dann im nächsten Augenblick rennend loszulegen. In Form, Lage und Umgebung ist die Anlage einzigartig in Rhein-Main. Was einst Teil einer Kiesgrube war, ist nun ein kleines, hügeliges Kinderwunderland. Denn neben den zum Teil außergewöhnlichen Spielgeräten gibt es, zum Buddeln, Kies und Sand fast wie am Strand. Und wie hingewürfelt wirkende Felsbrocken, die darauf warten, beklettert zu werden, und auf denen es sich herrlich von Stein zu Stein hüpfen lässt. Drum herum ist dichtes, von schmalen Pfaden durchzogenes Gebüsch für (Versteck-)Spiele aller Art.

Ja, Stadtkinder können sich hier die ein oder andere Schramme zuziehen. Es könnte nichts gleichgültiger sein. Denn wer will sich davon schon aufhalten lassen auf dem Weg zu den monströsen „Tarzan-Schwingern“, Schaukeln, auf denen die Kids in weiten Bögen hin und her pendeln. Wie Tarzan an Lianen eben. Der Hit des Spielparks ist der meterhoch über das Gelände führende Parcours, der aus Hängebrücken, dicken Tauen und zu Netzen verknüpften Stahlseilen besteht (für Kinder unter 6 Jahren nicht ratsam). Die aufwendige Konstruktion endet übrigens im ersten Stock des großen Rutschenturms. An Wochenenden kann es durchaus voll werden im Spielpark. Bei unserem Besuch unter der Woche an einem Feriennachmittag war das Aufkommen überschaubar. Picknicker finden auf dem weitläufigen Areal natürlich ein Plätzchen (wenig Schatten), sollten aber in einer einstigen Kiesgrube keinen englischen Rasen, sondern eher strubbelige Wiesen erwarten.

Eschborn: Wie der Bauer

Alles so schön grün hier! In Sachen saftiger wie gepflegter Grasflächen vermag es wohl kaum ein Spielplatz in der Region mit dem Traktorspielplatz in Eschborn aufzunehmen. Die beiden parallelen Seilbahnen (manche sagen auch Seilrutschen) dominieren das leicht abschüssige Gelände. Dass die Sausefahrt auf Tellersitz entlang eines Stahlseils ein großes Vergnügen ist, gilt schon für zig Kindergenerationen. Für zusätzlichen Thrill sorgt, wenn die Papas die Muskeln spielen lassen und den Kindern noch einen kräftigen Schubs mitgeben. Tipp für Väter fortgeschrittener Seilbahnfahrer: Aus einem festen Anschub nicht in Fahrtrichtung, sondern seitlich resultiert eine rauschhafte Fahrt inklusive weiterer Pendelbewegungen.

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Namensgebend für den Spielplatz ist ein alter, fest in der Erde verankerter Traktor. „Der war mal echt“, lautet das fachmännische Urteil der Kinder. Der Fahrersitz ist schnell erklommen, auch wenn die Füße das Gaspedal noch nicht erreichen – und schon kann es beginnen, das Landwirt-Rollenspiel. Der Platz am Lenkrad im Führerhaus des aus Holz und Kunststoff bestehenden Feuerwehrautos hat es unserem Kleinsten angetan. Während der untere Teil des Spielplatzes eher auf die Jüngeren ausgerichtet ist, finden die größeren Kinder weiter oben drei mit Seilgeflechten verbundene Klettertürme. Doch die Anziehungskraft des Bolzplatzes mit den beiden echten Toren ist stark. Also, flugs den Fußball rausgeholt und losgekickt. Genial: Der Bereich direkt vor den Toren, der sonst überall je nach Witterung einer staubigen oder matschigen Wüste gleicht, ist mit Kunstrasen ausgelegt.

Die vielen gutgepflegten Spielgeräte sind der eine Vorzug des Traktorspielplatzes, doch das große Plus ist der Westerbach, der hier unter einem dichten, schattigen Laubdach vorbeifließt. Das niedrige Wasser erlaubt gefahrloses Waten, Matschen und Spielen (Wechselklamotten nicht vergessen!). Überhaupt können sich die Kids an drei Seiten des Spielplatzes in die Büsche schlagen – und auch mal außerhalb des Blickfeldes der Eltern agieren. Einen hübschen Platz für die Picknickdecke zu finden ist nicht schwer. Mit etwas Glück ergattert man sogar einen der langen Holztische, an denen es sich komfortabel auf Bänken speisen lässt.

Köppern: Wie ein Pirat

Das Gelände dieses Spielplatzes ist zwar etwas kleiner als die anderen hier besprochenen, was dem Abenteuerspielplatz Köppern aber nichts von seinem Reiz nimmt. Zumal man ihn wohl außerhalb von Friedrichsdorf noch als Geheimtipp bezeichnen kann. Während der von der Wiese aus gesehen vordere Teil sich mehr an ältere Kinder wendet, bietet der hintere, spitz zulaufende Teil einige Spielstationen für die Kleinen. Alles, vom Sand bis zu den Gerätschaften, wirkt sehr gepflegt. Im Zentrum steht eine großzügige Kletterlandschaft, ein Gewirr und Geflecht aus Holz und Seilen, mit vielfältigen Möglichkeiten, empor- und hinabzugelangen. Am schnellsten zurück auf Sandebene geht es freilich als Rutschpartie. Einige Kletterpassagen über Balken, bei denen man sich nur an dünnen, schlaff gespannten Seilen festhalten kann, sind durchaus ambitioniert, zumal in luftiger Höhe.

Bei unserem Besuch bedurfte es eines kleinen Rettungseinsatzes, weil der Kleine mitten in solch einer Passage seinen Mut einbüßte und auch unter bestem Gutzureden keinen Schritt mehr tun wollte. Nach der Evakuierung wollte er aber prompt wieder hoch, um eine der vermeintlich leichteren Routen auszuprobieren. Die angrenzende, einladende Wiese eignet sich prima für ein Picknick (schattige Plätzchen vorhanden) und auch für jedwede Ballsportarten.

Vom Rasen aus haben Eltern weite Teile des Geländes im Blick, nicht aber den dichtbewachsenen Uferbereich des Erlenbachs, der eine Längsseite des Spielplatzes begrenzt. Auf schmalen Trampelpfaden lässt sich dort auf Entdeckungsreise gehen. Oder im niedrigen Wasser ein prachtvoller Staudamm bauen oder in eine Piratenwelt abtauchen oder, oder, oder. Interessant ist eine Infotafel, die Flora und Fauna vorstellt, die an solch einem schmalen Bachlauf vor der Haustür vorkommen. Eltern werden bei den Fragen der Kinder froh sein, dass die genauen Bezeichnungen neben den jeweiligen Bildern der (Wasser-)Tiere und Pflanzen stehen.

Frankfurt: Wie ein Baumeister

Wer ihn nicht kennt, übersieht ihn leicht. Und das, obwohl der Colorado Park für einen Großstadt-Spielplatz über richtig viel Platz verfügt. Aber weil er rundherum umzäunt und zugewachsen daherkommt, ist von außen kaum ersichtlich, was Kind und Kegel erwartet. Hinter dem in Corona-Zeiten einzigen geöffneten Törchen (Öffnungszeiten beachten!) tut sich ein ungewöhnlicher, gänzlich undesignter, ja fast rebellisch anmutender, aber auf jeden Fall herrlich andersartiger Spielplatz auf. Der den Vornamen „Abenteuer“ zurecht trägt. Allein schon aufgrund des verwildert-verwunschenen, zugewachsenen hinteren Teils, der nur über schmale Trampelpfade erreichbar ist.

Wo kleine und große Kinder für Fangen oder Versteckspielen famose Bedingungen vorfinden oder sich einfach mal zurückziehen können. Klassische Spielgeräte gibt es hier kaum – gemäß des Konzepts des Vereins „Abenteuerspielplatz Riederwald“, dass Balken, Sand, Seile, Reifen, Wasser Spaß und Phantasie mehr anfachen. Dafür gibt es eine Reihe von Kinderhand gezimmerter, knallbunter Holzhäuser im Wild-west-Stil. Manche etwas windschief, aber alle stabil. Saloon und Co. finden sich entlang der „Main Street“, so genannt in Anlehnung an die einstigen Housing Areas des amerikanischen Militärs in der Nachbarschaft. Und es werden immer mehr Bauwerke, ständig werden die Hütten verschönert oder vergrößert. Hammer, Nägel und Holz liegt zum Leihen und loswerkeln bereit.

Die größeren Kinder flitzen, jagen, klettern sofort und nachhaltig über das gesamte Gelände. Unser Kleiner hat sich dagegen nach dem ausführlichen Matschen und Platschen an dem kleinen Wasserlauf an der nicht steilen, aber flotten Rutsche festgespielt. Die erreichbar ist über einen holprigen wie winkligen Pfad. In den Ferien finden täglich von 13 bis 15 Uhr von Mitarbeitern angeleitete Mitmachaktionen statt. Eigenes Kräutersalz herstellen, Jutebeutel kreieren oder Farbschleuderbilder stehen beispielsweise auf dem Ferienprogramm. Eltern finden schon irgendwo ein Plätzchen für die Picknickdecke – aber so richtig benötigt werden sie im Colorado Park nicht. Was auch mal ganz schön ist.

Tipps und Anfahrt

Traktorspielplatz Eschborn

Zu erreichen über die Rheinstraße in Eschborn. Das Parken im Wohngebiet ist nicht immer leicht. Ein Toilettenhäuschen ist vorhanden. Tipp für Eltern: Joggingschuhe einpacken, denn der Spielplatz ist ein idealer Startort für eine Laufrunde durch die angrenzenden Wiesen und Felder zwischen Niederhöchstadt und Steinbach. Der Spielplatz ist als (Zwischen-)Ziel gut einzubauen in eine Fahrradtour. Der Besuch ist auch gut zu verbinden mit einem Sprung ins kühle Nass im nahen Eschborner Wiesenbad.

Abenteuerspielplatz Köppern

Zu erreichen über Limesstraße und Am Vogelhain in Friedrichsdorf-Köppern. Ein Parkplatz in einer der beiden Straßen ist meist zu ergattern. Wer einen Ausflugstag de Luxe für die ganze Familie plant: Saalburg, Freilichtmuseum Hessenpark und Freizeitpark Lochmühle sind jeweils nur ein paar Autominuten entfernt.

Spielpark Hochheim

Obacht: Wer sich von Google Maps navigieren lässt, wird über verschlungene, mit dem Auto nicht wirklich legale (Feld-)Wege ans Ziel geführt. Den Spielpark besser über die L 3028 von Hochheim in Richtung Wiesbaden-Delkenheim anfahren. Der Spielplatz ist Teil des Regionalparks Rhein-Main, was ihn gut dafür eignet, im Rahmen einer Wanderung oder Radtour angesteuert zu werden.

Colorado-Park in Frankfurt

Zu erreichen über die Raimundstraße (neben Aldi) an der Grenze der Stadtteile Dornbusch und Ginnheim. Öffnungszeiten in den Ferien: Werktags 11 bis 19 Uhr, samstags 13 bis 18 Uhr. Ausreichend Parkplätze vorhanden. Neben dem Colorado-Park gehören auch die ebenfalls sehr empfehlenswerten Abenteuerspielplätze Riederwald und Günthersburgpark zu dem engagierten Verein „Abenteuerspielplatz Riederwald“.

Mehr Infos im Internet unter www.abenteuerspielplatz.de, Gruppen von sieben Personen an werden gebeten, sich vorher telefonisch unter 0 69/56 16 42 anzumelden.

Quelle: F.A.S.
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