<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Ob jetzt Corona-Ferien kommen

Von Fridtjof Küchemann
Aktualisiert am 06.03.2020
 - 09:05
Das Absperrband kann wieder weg: Im Gymnasium Albertgasse in Wien gab es den Verdacht auf einen Infektionsfall, die Schule wurde daraufhin Ende Februar geschlossen. Jetzt kann der Unterricht weitergehen.
Podcast starten       PODCAST STARTEN
Es gibt Länder, in denen sind schon alle Schulen geschlossen. Und es gibt sogar bei uns schon Schulen, die wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus geschlossen worden sind. Kein Grund zu Freude, aber für Fragen.

Corona-Ferien: Das klingt erst einmal gar nicht so schlecht. Vor allem dabei natürlich das Wort „Ferien“. Und gefordert haben es nicht etwa schulmüde Kinder oder besorgte Eltern, sondern die Forderung kommt von einem Viren-Experten, einem Virologen von der Universität in Halle-Wittenberg. Zwei Wochen Corona-Ferien fordert Alexander Kekulé für alle Schulen und Kitas in Deutschland, dazu die Absage von Großveranstaltungen und die Verringerung von Reisen selbst innerhalb Deutschlands: Nur so könne die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus aufgehalten werden.

Es gibt schon erste Schulen in Deutschland, die geschlossen wurden – weil in ihnen ein Infektionsfall aufgetreten ist. In Frankreich bleiben bereits Zehntausende Schüler zu Hause, und in Italien und Japan haben die Behörden die Schulen gleich komplett dichtgemacht.

Nun sind längst nicht alle glücklich darüber, wenn die Schule ausfällt, nicht einmal alle Schulkinder. Für die Jugendlichen, die sich auf ihre Abschlussprüfungen im April und Mai vorbereiten, wären zwei Wochen Schulausfall eine Katastrophe: Sie nehmen längst Anlauf auf die Prüfungen, von denen so viel abhängt. Zusammen mit ihren Mitschülern und ihren Lehrern probieren sie schon mal aus, wie es ist, Arbeiten zu schreiben, die so viel Zeit und Konzentration und Wissen erfordern wie die, die bald auf sie zukommen. Daraus wird in den Schulen erst einmal nichts, die schon geschlossen wurden. Und niemand weiß, wie viele es noch werden.

Wie soll es danach weitergehen?

Gerade haben sich die Politiker, die sich bei uns um die Schulen kümmern, dagegen ausgesprochen, auch hier in Deutschland sicherheitshalber gleich alle Schulen zuzumachen. Sie heißen Kultusminister, es gibt in jedem Bundesland einen eigenen, und wenn sie Dinge gemeinsam besprechen oder entscheiden, machen sie das in der Kultusministerkonferenz. Dort haben sie gerade ausgemacht, dass sie sich darüber austauschen, wie sie das so machen: Welche Vorsichtsmaßnahmen sie angeordnet haben; ob sie mit Geld unterstützen, wenn Klassenfahrten ausfallen, aber trotzdem bezahlt werden müssen; was passieren soll, wenn es in einer Schule einen Infektionsfall gibt. Dass alle Schulen geschlossen werden, halten sie erst einmal für unnötig.

Außerdem ist es ja nicht das gleiche, ob die Schultüren einfach geschlossen bleiben oder Ferien sind. Man kann ja auch für die Schule lernen, oder sogar fast wie in der Schule lernen, ohne in die Schule zu gehen. In Frankreich zum Beispiel gibt es ein staatliches Programm, das „Meine Klasse zu Hause“ heißt und alles, was man in der Schule lernt, online anbietet: Informationstexte und Arbeitsaufgaben, kleine Videos und sogar die Möglichkeit, sich im Internet mit der ganzen Klasse zu verbinden, damit nicht nur jeder vor sich hinlernt, sondern die Klasse auch miteinander und voneinander. Das ist aber in Frankreich auch einfacher als bei uns: Dort setzt eine einzige Behörde fürs ganze Land fest, was in welcher Klassenstufe in welcher Schulform gelernt werden muss. Bei uns gibt es da eine größere Freiheit – die Lehrpläne kommen von den sechzehn Bundesländern, und sie lassen den einzelnen Schulen und sogar den einzelnen Lehrern viel Gestaltungsraum.

In Italien, wo alle Schulen bis Mitte März geschlossen bleiben, gibt es ein neues Problem: Für Kinder ist das neuartige Coronavirus nicht so gefährlich wie für ältere Menschen. Aber weil ja jemand für die Kinder da sein muss und die meisten Eltern nach wie vor arbeiten gehen, springen die Großeltern ein. Wenn sich jetzt Kinder – die zu den Menschen gehören, die am meisten und am engsten Kontakt mit anderen Menschen haben, sich also leicht mit allem Möglichen anstecken – mit dem Coronavirus infiziert haben, kann es sein, dass es für sie selbst kein Problem ist, wohl aber für ihre Großeltern, wenn sie die anstecken, weil die auf sie aufpassen.

Und noch etwas: Sind Ferien in Sicht, kümmern sich die Eltern meist darum, was die Kinder in der Zeit tun können, damit sie sich nicht nur langweilen. Wenn jetzt die Schule ausfällt, kann die Langeweile viel leichter kommen: Weil die Eltern keine Zeit für die Vorbereitung haben, weil sie sich in der Regel nicht selbst freinehmen können und weil man sich, wenn es soweit ist, dass schon Schulen geschlossen werden, vielleicht auch nicht einfach so mit seinen Klassenkameraden und Freunden treffen kann, als wäre nichts. Und wenn die einzelnen Lehrer dafür verantwortlich sind, wie weit und wie gut ihre Schüler das gelernt haben, was für ihre Klasse im Lehrplan steht, ist es auch nicht so einfach, dass jemand für alle vorbereitet, wie man das vielleicht auch zu Hause lernt.

Und Ferien sind natürlich super, aber es ist auch nicht so einfach, sich danach wieder in die Schule einzufinden, mit der Aufmerksamkeit und dem Aufpassen und der Sorgfalt. Jeder kennt das von den ersten Wochen nach den Sommerferien. Die Länge von Ferien und ihre Abfolge mit Schulzeiten hat schon ihren Sinn. Und es gibt Lehrer und Schulpolitiker, die sich nicht nur fragen, wie das, was eigentlich gelernt werden müsste, am besten auch gelernt werden kann, wenn die Schulen schließen, sondern auch, wie schnell und gut sich die Schüler danach wohl wieder in den Schulalltag einfinden.

Ob die Ausbreitung des Coronavirus jetzt dazu führt, dass auch bei uns viele Schulen schließen, vielleicht sogar alle, oder nicht: Von Ferien kann da keine Rede sein. Das hätte Herr Kekulé eigentlich wissen müssen. Aber er ist ja auch Virenexperte und kein Schulexperte.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen

Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

Zur Verlagsseite
Quelle: FAZ.NET
Fridtjof Küchemann  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Fridtjof Küchemann
Redakteur im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.