Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Wie Sonnencreme unsere Haut schützt

Von Madeleine Brühl
Aktualisiert am 24.07.2020
 - 09:40
Jeder Tag am Strand beginnt damit, die Luftmatratze aufzupusten und sich einzucremen. Denn Sonnencreme schützt uns davor, einen Sonnenbrand zu bekommen. Das weiß doch jedes Kind! Aber wie macht sie das?

Unsere Haut kann eine ganze Menge aushalten. Sogar vor Sonnenstrahlen kann sie sich eine Weile selber schützen. Dafür baut unser Körper bis zum 12. Lebensjahr eine Hornschicht auf, die wie ein Schutzschild funktioniert. Bei jüngeren Kindern fehlt dieser Schutz noch. Außerdem können die Pigmentzellen in unserer Haut den Farbstoff Melanin bilden. Dieser spannt sich wie ein Sonnenschirm über die DNA im Zellkern und schützt sie so vor Schäden. Übrigens ist Melanin auch der Grund, warum wir in der Sonne braun werden. Wenn wir uns aber den ganzen Tag in der Sonne aufhalten wollen, braucht unsere Haut Unterstützung.

Bei der Entwicklung der Sonnencreme hat man sich zwei physikalische Gesetze zu Nutze gemacht, um die Sonnenstrahlen von der Haut fernzuhalten: das Reflektieren, also das Zurückwerfen von Strahlung, und das Absorbieren, das Aufnehmen. Sonnencremes enthalten mineralische Stoffe, die nach dem Eincremen auf der Haut bleiben und wie kleine Spiegel das Sonnenlicht zurückwerfen. Sie sind auch der Grund, warum man manchmal nach dem Eincremen so weiß aussieht. Mittlerweile sind diese Partikel so klein, dass unser Auge sie kaum noch als weiß wahrnimmt. Dann gibt es noch die chemischen Filter, die Sonnenstrahlen aufnehmen und ihre Energie in Form von Wärme wieder abgeben. Sie ziehen nach dem Eincremen in die oberste Hautschicht ein und bilden dort einen Schutzfilm. Sonnencremes für Erwachsene enthalten eine Mischung aus beiden Sonnenschutzfiltern, Produkte für Kinder haben dagegen meistens nur physikalische Sonnenschutzfilter zum Reflektieren.

Das Gefährliche am Sonnenlicht ist die ultraviolette Strahlung – oder kurz: UV-Strahlung. Sie ist der energiereichste Teil der optischen Strahlung, zu der neben UV-Strahlung natürlich noch alles gehört, was wir sehen können, und auch die Infrarotstrahlung. UV-Licht dringt tief in die Haut ein. Dort beschädigt es die Erbinformationen in unseren Zellen. Unser Körper hat zwar ein Reparatursystem für solche Schäden, wer aber viel in der Sonne ist oder oft Sonnenbrand hat, überlastet dieses System.

UV-Strahlen kann man in drei Gruppen einteilen: UV-A, B und C. Über UV-C-Strahlen müssen wir uns keine Gedanken machen, die werden in der Erdatmosphäre gefiltert und erreichen gar nicht erst den Boden. Auch von den UV-B-Strahlen wird ein Teil von der Atmosphäre abgehalten. Die UV-A-Strahlen dagegen erreichen fast ungebremst die Erde und schädigen genau wie UV-B-Strahlen unsere Haut.

Bei einem Sonnenbrand schädigen die UV-Strahlen zuerst die oberste Hautschicht. Daraufhin entzündet sich die darunterliegende Schicht, die Lederhaut. Durch die Erweiterung der Blutgefäße färbt sich die Haut rot. Diese Rötung ist die erste Stufe des Sonnenbrands und wird in der Medizin Erythem genannt. Hellhäutige Menschen mit blonden Haaren bekommen diese Rötungen im Durchschnitt schon nach fünf bis zehn Minuten Sommersonne, bei dunkelhaarigen Menschen dauert es ohne Sonnencreme zwischen zehn und zwanzig Minuten, bis sich die Haut rötet. Bei längerem Sonnenaufenthalt kommen zu den Rötungen noch Blasen dazu. Außerdem können nach jedem Sonnenbrand Narben auf der Haut zurückbleiben. Langfristig sorgen häufige Sonnenbrände dafür, dass unsere Haut schneller faltig wird und die Gefahr steigt, Hautkrebs zu bekommen.

Zum Glück kam 1933 in Deutschland die erste Sonnencreme auf den Markt. Heute gibt es viele verschiedene Sorten: Cremes, Gele, Emulsionen aus Wasser und Ölen, zum Eincremen, Aufrollern oder Sprühen. Egal wofür man sich entscheidet: Auf jeder Flasche stehen immer der Lichtschutzfaktor und dass die Sonnencreme vor UV-A- und UV-B-Strahlen schützt. Aber was bedeutet dieser Lichtschutzfaktor eigentlich? An dieser Zahl kann man ablesen, wie gut das Produkt vor den UV-Strahlen schützt. Je höher der Wert ist, umso weniger Strahlung lässt die Sonnencreme durch. Und je weniger Strahlung auf der Haut ankommt, umso geringer ist auch das Risiko, einen Sonnenbrand zu bekommen. Braun werden wir deswegen trotzdem noch.

Bei Lichtschutzfaktor 30 kommen zum Beispiel noch zehn Prozent der UV-Strahlung bis zur Haut durch, bei Lichtschutzfaktor 50 sind es etwa zwei Prozent. Das gilt aber nur, wenn man sich auch mit ausreichend Sonnencreme eincremt. Nimmt man nur die Hälfte der benötigten Menge, erreicht man auch nur den halben Lichtschutzfaktor. Als Faustregel sollten Kinder ungefähr ein bis zwei Esslöffel Sonnenschutz auftragen, Erwachsene brauchen mit drei bis vier Esslöffeln etwa doppelt so viel.

Wer keinen Esslöffel mitnehmen will zum Strand, kann stattdessen auch mit den Fingern messen: Am besten bittet man dafür einen Erwachsenen, eine Fingerkuppe voll Sonnencreme zu nehmen, und benutzt diese Menge als Maßstab. Für verschiedene Körperstellen braucht man zwischen zwei und fünf solcher Fingerkuppen voll Sonnenschutzmittel, um richtig vor der Sonne geschützt zu sein. Um sicherzugehen, dass man auch keine Stelle vergessen hat, kann man ja mal gefärbte Sonnencreme nehmen, um sich zu kontrollieren.

Ohne böse Überraschung

Übrigens gibt es eine einfache Regel, wie lange man eingecremt in der Sonne bleiben darf. Dafür multipliziert man die Zeit, in der sich die Haut selbst schützen kann, mit dem Wert des Lichtschutzfaktors. Ein Beispiel: Zehn Minuten Eigenschutzzeit der Haut mal Lichtschutzfaktor 50 macht 500 Minuten – oder acht Stunden und zwanzig Minuten –, die man maximal in der Sonne verbringen darf. Das bedeutet aber nicht, dass einmal Eincremen am Tag ausreicht. Es ist wichtig, regelmäßig den Schutz zu erneuern, denn beim Baden, Abtrocknen oder Spielen im Sand verlieren wir auch viel von unserem Sonnenschutz wieder.

Sonnencreme ist aber nicht nur im Strandurlaub wichtig. Skifahrer wissen, dass man sogar von der Reflexion der UV-Strahlen durch den Schnee einen Sonnenbrand bekommen kann. Auch beim Wandern in den Bergen sollte man die Sonnencreme nicht vergessen, denn ab 1000 Metern Höhe steigt die UV-B-Strahlung um 20 Prozent an.

Generell sollte man sich fast immer eincremen, wenn man länger nach draußen geht. Denn die UV-Strahlen, von denen wir Sonnenbrand bekommen, sind auch im Schatten oder bei bewölktem Himmel da. Am größten ist die UV-Belastung über Mittag zwischen 11 Uhr und 15 Uhr, dann sollte man besser nicht in die Sonne gehen. Bei einem langen Tag am Strand hilft es, sich zusätzlich zum Eincremen etwas anzuziehen. Vor allem aber sollte man Hut und Sonnenbrille nicht vergessen. Dann steht einem schönen Sommertag ohne böse Überraschungen nichts mehr im Weg.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Brühl, Madeleine
Madeleine Brühl
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