<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
FAZ plus ArtikelMutter-Kind-Kur

Mama kann nicht mehr

Von Ursula Kals
 - 12:57

In Romy Blessigs Leben gab es keinen großen Knall, keinen dramatischen Burnout, kein spektakuläres Schlüsselerlebnis. Es gab nur das schleichende Gefühl, dass alles zu viel ist, was ihren Tag stranguliert. „Seit zehn Jahren bin ich ganztags berufstätig und trage die Verantwortung, dass es daheim läuft“, sagt Romy Blessig. „Kein Wunder, dass ich reif für die Kur war. Ich hatte das Gefühl, es passt was nicht, ich muss in meinem Leben etwas ändern.“ Sie klingt nachdenklich. Romy Blessig ist gerne Mutter, gerne Ehefrau, arbeitet gerne im Controlling eines Pharmaunternehmens und meist auch ganz gerne im Haushalt. In der Summe ist das viel.

Die in Unterhaching bei München lebende 39-Jährige neigt nicht dazu, die Dinge schwerzunehmen. Sie ist eher eine von der anpackenden Sorte, von Natur aus lebenslustig. Eine, die dem Drängen des Kindes nachgibt, Meerschweinchen anschafft und für das Duo eine Bodenheizung in den Stall baut. Eine, die am Wochenende ihre Schlittschuhrunden dreht, eine, die ihre Nachbarn spontan zum Wintergrillen einlädt. Und eine, die sich wundert, wie sich die Dinge summieren, die sie erledigt. Aufbegehrt hat ihr Körper, er meldete sich mit Magen-Darm-Problemen und Herzstolpern. Ein Paradefall für Psychosomatiker.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

FAZ.NET komplett

: Neu

F.A.Z. Digital

F.A.Z. Premium

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+

Fakten zur Kur

Die Kosten einer Kur übernimmt die Krankenkasse. Patienten zahlen am Tag 10 Euro dazu. Die Zahl der Mütter, die eine der vom Müttergenesungswerk (MGW) organisierten Kuren wahrnahmen, stieg zwischen 2011 und 2016 von 39.000 auf 49.000, die Zahl der kurenden Kinder von 56.000 auf 71.000, die der Väter von 900 auf 1600. Als die drei häufigsten Gründe, warum sie sich für eine Kur entschieden haben, nannten Mütter und Väter ständigen Zeitdruck, die berufliche Belastung sowie Schwierigkeiten, Kinder und Job zu vereinbaren. Mehr als 80 Prozent der Mütter sind erwerbstätig, etwa ein Drittel bezeichnet sich als Hauptverdienerin. Grundsätzlich sieht das MGW 2,1 Millionen Mütter in Deutschland als kurbedürftig an, von denen sich aber mit 130.000 nur rund sechs Prozent auch beraten ließen.

Die Krankenkassen lassen sich das 400 Millionen Euro kosten. Während 2011 noch 35 Prozent der eingereichten Kuranträge abgelehnt worden waren, lehnten die gesetzlichen Krankenkassen 2016 nur noch zwölf Prozent ab. Zwei Drittel der Betroffenen legten daraufhin jedoch Widerspruch ein. 65 Prozent der Widersprüche waren erfolgreich. Allerdings gibt es große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern: So war die Ablehnungsquote in Bremen mit 26 Prozent deutschlandweit am höchsten. Gegründet hat das Werk 1950 Elly Heuss-Knapp, die Frau des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Seit fünf Jahren gilt das Kur-Angebot auch für Väter und pflegende Angehörige. In Deutschland gibt es rund 1200 kostenlose Beratungsstellen. Bis zum zwölften Lebensjahr des jüngsten Kindes hat eine Mutter offiziell alle vier Jahre Anspruch auf eine Kur. Arbeitgeber kommunizieren das nicht gerne. Das ist auch nicht ihre Aufgabe. Aber besser eine Kur, als dass den Eltern die Puste ausgeht.

Quelle: F.A.S.
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenOstseeBayern