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Semmling darf nicht Papa sein

Von Julia Schaaf
Aktualisiert am 16.07.2020
 - 08:55
„Es ist nicht alles bunt unterm Regenbogen“: Alexander Schug (Mitte) ist Regenbogenvater; hier mit Ko-Autoren Sören Kittel und Ulrich Michael Heissig
Immer öfter verweigern lesbische Frauen, die mit schwulen Männern ein Kind gezeugt haben, diesen biologischen Vätern danach den Umgang mit ihren Kindern. Und die Politik will ihnen nun sogar noch den Rücken stärken.

Wenn Harald Semmling von seinem Sohn erzählt, zückt er sein Handy und wischt über die Fotos: Semmling, wie er ein Baby füttert. Ein lachendes Kleinkind, das dem Papa an die Nase greift. Dann, ein blonder Lockenschopf, vielleicht drei, vier Jahre alt, an seinen Vater geschmiegt. Semmling schwärmt. Wie sie mit Bauklötzen gespielt haben! Vorgelesen! Auf dem Bolzplatz gekickt! Sein Junge, sagt Semmling, sei musikalisch wie er und habe denselben Humor. Noch bei ihrem letzten Treffen sei der Fünfjährige ihm freudestrahlend in die Arme gelaufen.

Im Herbst ist das zwei Jahre her. So lange hat Semmling seinen Sohn nicht gesehen, und in die Erzählung von seinem Vaterglück mischen sich Bitterkeit, Schmerz, Wut – aber vor allem Fassungslosigkeit. Alle zwei Wochen, erzählt Semmling, schreibe er dem Jungen eine Postkarte: „Dein Papa denkt an dich.“ Oder: „Was machst du jetzt?“ Oder: „Quarantäne ist doof.“ Ob der Kleine je eine der Karten zu sehen bekommt, weiß Semmling nicht.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schaaf, Julia
Julia Schaaf
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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