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Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Wie Kunstschnee entsteht

Von Anna-Lena Niemann
 - 16:32
Eine Schneegarantie gibt es auch in den Schweizer Alpen nicht – dafür jede Menge Schneekanonen, die Kunstschnee auf die Pisten zaubern. (Archivbild)

Für fast alles, was im Winter Spaß macht, braucht es Schnee: Rodeln, Schneeballschlachten, Iglus bauen und natürlich Skifahren. Weil das Wetter aber unberechenbar ist und die Winter durch den Klimawandel wärmer werden, gibt es selbst in den Bergen längst keine Schneegarantie mehr. Wie schön es da doch wäre, wenn jeder von uns eine Frau Holle hätte. Dann könnte sie es im Winter so oft schneien lassen, wie wir wollen.

Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

So einfach wie im Märchen geht es zwar nicht. Ein wenig Hilfe fürs Schneetreiben gibt es aber schon. Wer möchte schon auf braune Berghänge schauen statt auf weiße Pisten, wenn er in den Skiurlaub fährt? Gut also, dass man Schnee künstlich herstellen kann. Im Grunde braucht man dazu nur zwei Zutaten: Luft und Wasser. Dass daraus am Ende Schnee wird, ist aber gar nicht so einfach, denn natürliche Schneeflocken brauchen eigentlich viel Zeit, bis sie fertig zum Boden hinabschweben können. In kalten Wolken sammeln sich feine Wassertropfen zunächst um ein winziges Teilchen an, zum Beispiel ein Staubkorn, und gefrieren. Zuerst sind es genau sechs Wasserteilchen, doch an die kleben sich wiederum neue Tröpfchen an, die auch gefrieren. Das geht immer so weiter, bis die Schneeflocke so groß und schwer geworden ist, dass sie aus der Wolke fällt – und es schneit.

Bei Kunstschnee muss das etwas schneller gehen. Hier kommen Schneekanonen und Schneilanzen zum Einsatz, die man in den Skigebieten oft entlang der Pisten stehen sieht. Die Lanzen, die aussehen wie Straßenlaternen, sind fest installiert; die kompakten Kanonen können dagegen immer dorthin bewegt werden, wo sie gerade gebraucht werden. Ein großer Propeller an ihrem hinteren Ende wirbelt in kurzer Zeit viel Luft durch die Kanone und erzeugt eine Art Windkanal. Vorne sitzen derweil zahlreiche kleine Düsen, durch die mit viel Druck Wasser gepresst und zerstäubt wird.

Wie es den Tröpfchen dann im Windkanal ergeht, kennen wir aus eigener Erfahrung. Wenn uns der Wind um die Ohren pfeift, wird uns schließlich auch kalt. Ganz besonders, wenn wir vorher nass geworden sind. Den Wassertropfen in der Schneekanone geht es nicht anders. Sie fangen buchstäblich an zu frieren. Je feiner und gleichmäßiger das Wasser durch die Düsen zerstäubt wird, desto besser und pulveriger kann auch der künstliche Schnee werden. Nur kalt muss es trotzdem sein. Wenn das Thermometer mehr als null Grad anzeigt, nützt auch die Schneekanone nichts. Und wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, muss es noch kälter sein, damit alles funktioniert.

Für Skifahrer ist Kunstschnee manchmal sogar besser als Naturschnee, weil er leichter einzuschätzen ist. Schließlich kann genau kontrolliert werden, was für ein Schnee aus den Maschinen zu Boden rieselt. Naturschnee kann je nach Wetter und Umgebung mal pulverig und locker sein oder vereisen, kleben und an den Brettern festpappen. Vor allem aber freuen sich die diejenigen, die vom Tourismus in den Skigebieten leben: zum Beispiel Leute, die Hotels oder Restaurants betreiben oder in ihnen arbeiten. Denn auch wenn Kunstschnee teuer ist – pro Jahr kostet ein künstlich beschneiter Pistenkilometer rund 35.000 Euro – am Ende wäre es sehr viel teurer, wenn die Urlauber gar nicht mehr kämen, weil sie sich nicht darauf verlassen können, dass überhaupt Schnee auf den Pisten liegt. Der deutsche Skiverband sagt, dass ungefähr ein Drittel der Pistenflächen in den Alpen inzwischen künstlich beschneit wird. Der Anteil schwankt aber von Land zu Land. In den bayerischen Alpen und in der Schweiz ist er mit zehn Prozent eher gering. In Österreich sind es schon vierzig Prozent und in Südtirol mehr als 80 Prozent.

Klingt doch wunderbar – wären da nicht die Folgen, die Kunstschnee auf die Natur haben kann. Damit Maschinen ihn produzieren können, brauchen sie viel Energie. Der Skiverband rechnet vor: Um es auf einem Quadratmeter ungefähr dreißig Zentimeter hoch schneien zu lassen (und so viel braucht es mindestens, damit man ohne Gefahr Ski laufen kann), werden rund zwei Kilowattstunden Energie benötigt. Das ist etwas mehr, als eine Waschmaschine braucht, um die dicken Winterpullis einmal durchzuwaschen. Mehr noch als Energie braucht es für Kunstschnee aber Wasser. Mit großen Pumpen wird es aus dem Tal den Berg hochgepumpt. Oder es werden gleich ganze Stauseen und Dämme in die Berge gebaut, in denen Wasser extra für die Kunstschneeanlagen gespeichert wird.

Ein anderes Problem taucht auf, wenn die Wintersaison eigentlich vorbei ist. Kunstschnee schmilzt deutlich langsamer als Naturschnee. Das liegt an der Form der Flocken. Mit bloßem Auge sehen sie zwar gleich aus, unter dem Mikroskop erkennt man aber, dass eine Kunstschneeflocke keine richtigen Kristalle mit vielen Ecken und Kanten bildet, sondern eher rundlich ist. Und dieser winzige Unterschied führt dazu, dass die Flocken im Frühling nicht so schnell aufwärmen und damit schmelzen. Was im Winter für die Skifahrer toll ist, bekommt den jungen Pflanzen im Frühjahr gar nicht gut. Anstatt die Sonne zu sehen, stoßen sie auf eine dichte Schneedecke. Sie wachsen also langsamer als jene außerhalb der Pisten. Im schlimmsten Fall bleibt alles braun.

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Zum Glück darf aber ohnehin nicht jeder einfach eine Schneekanone aufbauen, wo es ihm gefällt. Das müssen Behörden meistens erstmal ausdrücklich erlauben und tun es nur, nachdem sie entschieden haben, ob die Natur keinen zu großen Schaden nimmt.

Interessanterweise ist Kunstschnee übrigens ausgerechnet in jenen Bergen erfunden worden, in denen eigentlich nie echter Schnee liegt, dafür aber so manches Märchen entstanden ist. Die erste Schneemaschine kam in den Bergen von Hollywood auf einem Filmstudio in den dreißiger Jahren zum Einsatz. Für „As the Earth Turns“ ließ der technische Direktor des Films große Eisblöcke ans Set schaffen. Eine Maschine, auf der drei große Messer rotierten, wie beim Schneidwerkzeug eines Mixers, kratzte davon ganz feine Schichten ab, die dann mit einem Ventilator in die Luft gepustet wurden. Und schon sieht es auf den Bildern so aus, als würde es wirklich schneien. Aber wirklich lange hat der Kunstschnee damals unter der Sonne von Kalifornien nicht gehalten.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Niemann, Anna-Lena
Anna-Lena Niemann
Volontärin.
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