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Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Warum es beim Eisessen im Kopf sticht

Von Madeleine Brühl
 - 14:42
Schön kalt oder schaurig kalt? Eisessen kann auch weh tun.

Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

Eiscreme, Stieleis, Slush – jeder hat seinen kalten Favoriten, wenn das Thermometer über 30 Grad klettert. Die Abkühlung ist umso schöner, je kälter das Eis ist. Also erstmal ein möglichst großes Stück davon in den Mund! Auf einmal meldet sich ein fieser, stechender Schmerz hinter der Stirn, und man möchte am liebsten mit den Fäusten auf den Tisch trommeln. Dieses Phänomen heißt Hirnfrost, auf Englisch brain-freeze. Oder wie die Wissenschaftler sagen: sphenopalatine Ganglioneuralgia. Nach ungefähr einer Minute ist der Schmerz wieder weg als wäre nichts gewesen und man kann weiteressen. Das kann übrigens nicht nur uns Menschen passieren, sondern auch Tieren.

Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen, haben die Forscher Maya und Janusz Kaczorowski 145 kanadische Schulkinder Eis essen lassen. Für die Wissenschaft natürlich. Die eine Gruppe musste ihr Vanilleeis in weniger als fünf Sekunden aufessen, das waren die hastigen Esser. Die andere Gruppe durfte ihr Eis dagegen nur langsam essen und musste sich mindestens eine halbe Minute Zeit lassen. Und was kam dabei raus? Jeder Dritte, der sein Eis heruntergeschlungen hatte, bekam Hirnfrost. Bei den langsamen Essern war es nur jeder Zehnte.

Aber warum passiert das? Nun – darüber streiten sich die Forscher noch. Aber es gibt zwei Vermutungen, die beide damit zusammenhängen, dass der Gaumen und der Rachen kalt werden.

Einige Wissenschaftler sagen, dass sich die Blutgefäße um den Mund herum stark zusammenziehen, wenn es dort kalt wird. Sie reagieren, als würde der Mensch insgesamt frieren. Anschließend werden sie schnell sehr groß, um viel Blut in den Kopf zu leiten und so die Körpertemperatur zu halten. Eine bestimmte große Blutbahn hinter den Augen und der Stirn lässt dabei viel Blut in den Kopf. Dadurch steigt der Druck im Gehirn, was wir als Kopfschmerzen wahrnehmen. Wenn sich die Blutgefäße kurz darauf wieder zusammenziehen, lässt der Druck nach, und die Kopfschmerzen verschwinden. Die Forscher glauben, dass diese Reaktion wie eine Art Selbstverteidigung des Gehirns gegen Kälte funktioniert.

Eine andere Vermutung sieht so aus: Durch die kalte Flüssigkeit kühlen Gaumen und Rachen stark aus. Darauf reagieren die Blutgefäße, indem sie sich erst zusammenziehen und dann ganz schnell wieder weiten. Dieses Verhalten registriert ein Nerv. Trigeminus heißt der. An der Reaktion der Blutbahnen erkennt er, dass da etwas nicht stimmt. Also sendet er das Signal „Schmerz“ an das Gehirn. Weil aber Trigeminus für viele Bereiche in unserem Gesicht zuständig ist – zum Beispiel für die Stirn, die Augen oder die Zunge – und sich deshalb undeutlich ausdrückt, weiß das Gehirn nicht genau, auf welchen Bereich sich das Signal bezieht. Also legt es fest: Der Schmerz kommt aus dem Kopf. Die Wissenschaftler nennen diese versehentliche Fehlmeldung „übertragenen Schmerz“, weil er nicht dort auftritt, wo es eigentlich weh tut.

Die gute Nachricht ist, dass zu schnelles Eisessen keine bleibenden Schäden hinterlässt. Und lebensgefährlich ist Hirnfrost auch nicht, nicht mal ein Anzeichen von Krankheit. Wenn es einen erwischt, sollte man seinen Mund schnell wieder aufwärmen, zum Beispiel kann man ganz langsam etwas warmes Wasser trinken. Manche Zungenakrobaten versuchen, mit der Unterseite ihrer Zunge an den Gaumen zu kommen, um ihn wieder aufzuwärmen. Am besten hilft aber, langsam zu essen – oder auf Eis und allzu Kaltes zu verzichten. Aber was wäre das für ein Sommer?

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Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Brühl, Madeleine
Madeleine Brühl
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