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Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Warum es an Weihnachten leicht Streit gibt

Von Anke Schipp
 - 13:28
Frommer Wunsch aus gutem Grund: Kinder schmücken einen Weihnachtsbaum mit selbstbeschriebenen Holzsternen.

Die Familie sitzt um den Weihnachtsbaum herum, im Hintergrund läuft „Oh Du Fröhliche“, die Kinder spielen mit ihren Geschenken. Lächeln. Friede. Liebe. Drei Tage Harmonie. So steht es im Drehbuch. Aber leider sieht es an Weihnachten oft anders aus: Mama schimpft, weil die Tochter sich partout keine Kleidchen anziehen will, und Papa schmollt, weil Mama findet, dass der Weihnachtsbaum schief ist. Oma sagt, die Gans sei zäh, weil Mama sie zu lange im Ofen hatte. Mama schmollt jetzt auch. Die Kinder streiten sich, weil einer vier und der andere nur drei Geschenke bekommen hat. Papa brüllt: „Ruhe jetzt, dann gibt es nächstes Jahr gar nichts.“ Oma: „Und Danke haben sie auch nicht gesagt.“ Die Tochter knallt die Tür und verschwindet in ihrem Zimmer.

Diese oder ähnliche Streits gibt es oft genau dann, wenn eigentlich alles schön werden soll. Das liegt an den hohen Erwartungen, die jeder an Weihnachten hat. Mama möchte, dass der Tisch schön gedeckt ist. Die Kinder wollen tolle Geschenke. Alle wollen, dass das Essen schmeckt. Wenn der Abend dann nicht nach Drehbuch verläuft, geraten alle in Panik. Denn es herrscht das Diktat der Harmonie. Weihnachten, das Fest der Liebe, das darf auf keinen Fall durch böse Worte vergiftet werden. Streit bekommt an Weihnachten eine andere Dimension, weil der Abend keinen Streit vorsieht. Das alleine sorgt schon für Anspannung.

Wenn man sich an einem normalen Montagmorgen streitet, weil der Ranzen schon wieder nicht gepackt ist, es schon 7.45 Uhr ist, in einer Viertelstunde die Schule anfängt, ist das anders: Es gibt auch Krach in der Familie, aber das ist eben der Alltag. Streit an Weihnachten, das darf nicht sein. Es gibt die Bilder, die in den Köpfen der Familien herumspuken. Bilder aus Filmen, aus der Werbung, Bilder, wie wir sie von alten Postkarten kennen: Die Familie, wie sie sich einträchtig um den Weihnachtsbaum gruppiert. Umgekehrt kann das nur heißen: Eine Familie, die sich an Weihnachten streitet, die muss zerrüttet, kaputt, am Ende sein.

Das ist natürlich nicht so. Denn man muss sich nur mal klar machen, warum es eben so oft Streit gibt. Und dass bei einem Streit an Weihnachten oft Dinge mitschwingen, die mit dem Streit selbst gar nichts zu tun haben.

Ist Mama auf Omas Bemerkung mit der Gans nicht deshalb so sauer, weil sie schon immer das Gefühl hatte, dass man es Oma nicht recht machen kann? Findet der Bruder die Geschenke seiner Schwester vielleicht deshalb besser, weil er sich schon das ganze Jahr über benachteiligt fühlt? Der Frust, der sich aufgestaut hat, kommt oft ausgerechnet an Weihnachten raus. Und an diesen Tagen sind wir besonders sensibel. Jedes Kind kennt das von seinem Kindergeburtstag:. Da freut man sich schon Tage vorher, hat seine besten Freunde eingeladen, der Tisch ist schön gedeckt. Es muss also gut werden. Aber gleich beim ersten Spiel verliert ausgerechnet das Geburtstagskind und heult los. Eben auch, weil es so hohe Erwartungen hatte und nun enttäuscht ist. Aber wie beim Kindergeburtstag hat der Streit an Weihnachten oft die reinigende Wirkung eines Gewitter: Es knallt heftig. Und danach kann man weiter feiern – in schönster Harmonie.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schipp, Anke
Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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