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Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Warum Leute eine Pilgerfahrt machen

Von Christian Meier
 - 21:24
Pilger in der Großen Moschee von Mekka

Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

Oft sagt man, dass Leute irgendwohin „pilgern“ würden, und oft geht es dabei gar nicht um Religion. Menschen „pilgern“ zu Orten, an denen etwas für sie ganz Besonderes zu finden ist: Kunstliebhaber in den Louvre in Paris, wo sie unter anderem die „Mona Lisa“ bestaunen; Leute, die feines Essen lieben, nach Kopenhagen in das Restaurant „Noma“; und Fans von „Harry Potter“ in die schottische Stadt Edinburgh, wo Joanne K. Rowling sich die Romane über den Zauberschüler ausgedacht hat.

Es gibt aber auch noch richtige, also religiöse Pilgerfahrten, und zu der bekanntesten brechen in diesen Tagen wieder zahlreiche Muslime rund um den Globus auf. Sie reisen nach Mekka, eine Stadt im Westen Saudi-Arabiens. Die Pilgerfahrt heißt Hajj (ausgesprochen Hadsch) und dauert fünf Tage, in denen die Pilger unter anderem mehrmals die Kaaba umrunden, ein kleines, sehr altes, würfelförmiges Gebäude, das im Hof der Großen Moschee steht und als das wichtigste Heiligtum des Islams gilt.

Wer den Hajj absolviert hat, wird in vielen islamischen Ländern von anderen danach mit dem Titel „Hadschi“ angesprochen – so wie Hadschi Halef Omar in den Büchern von Karl May. Manchmal wird die Reise auch in einem Bild an der Wand des Hauses des Pilgers verewigt. Darauf ist meist auch das Verkehrsmittel abgebildet, mit dem die Person gereist ist – früher war das eine Kamelkarawane oder ein Schiff, heute ist es in der Regel ein Flugzeug. Durch die modernen Verkehrsmittel kann man deutlich schneller und bequemer pilgern als früher. Zum Vergleich: Um im 16. Jahrhundert, also vor 500 Jahren, von der ägyptischen Hauptstadt Kairo nach Mekka zu kommen, benötigte man fast vierzig Tage. Das war nicht nur ziemlich anstrengend, sondern auch gefährlich – man konnte unterwegs ausgeraubt werden oder an einer Krankheit sterben.

Wenn es lange Zeit so aufwendig war, warum fahren dann überhaupt seit fast 1400 Jahren jedes Jahr zahlreiche Muslime – dieses Jahr werden es etwa zwei Millionen sein – als Pilger nach Mekka? Der Hajj ist einer der wichtigsten Bestandteile des Islams, und im Koran steht, dass jeder Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, ihn einmal im Leben vollzogen haben soll. In Mekka und in der Gegend um die Stadt absolvieren die Pilger eine Menge komplizierte Rituale, die teilweise an eine Geschichte aus dem Leben des Propheten Ibrahim oder Abraham erinnern. Den Abschluss bildet das Opferfest, das von allen Muslimen auf der Welt gefeiert wird. Es erinnert daran, dass Gott Ibrahims Glauben prüfte, indem er ihm befahl, seinen Sohn Ismail umzubringen – als Menschenopfer. Im letzten Augenblick sandte Gott ein Schaf, das an Ismails Stelle starb.

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Während des Hajj erinnern die Pilger an diese Geschichten. Gleichzeitig vollziehen sie nach, was der Prophet Mohammed im Jahr 632 tat, als er kurz vor seinem Tod die Rituale für den Hajj festlegte. Und schließlich ist die Pilgerfahrt auch eine Auszeit vom irdischen Leben und eine spirituelle Annäherung an Gott – was durch die zahlreichen Gebete unterstrichen wird, aber zum Beispiel auch durch die besonders schlichte Kleidung, die die Pilger tragen.

Für die meisten Muslime ist der Hajj daher eine unvergessliche Erfahrung. Ebenso wie Pilgerfahrten in anderen Religionen – denn natürlich gibt es Pilgerfahrten oder Wallfahrten nicht nur im Islam, sondern auch im Christentum, im Judentum, im Buddhismus, im Hinduismus und in weiteren Religionen. Christen pilgern etwa nach Rom oder auf dem Jakobsweg durch halb Europa bis ins spanische Santiago de Compostela. Auch die Kreuzzüge im Mittelalter wurden übrigens als Pilgerfahrt verstanden, als bewaffnete.

All diesen Pilgerfahrten war und ist gemeinsam, dass es einerseits um eine konkrete Reise – meist in die Fremde – geht, andererseits auch um eine religiöse Erfahrung: Die Reise dient dem Ziel, Gott oder einem Heiligen näherzukommen, ein Gelübde oder eine religiöse Pflicht zu erfüllen oder den eigenen Glauben zu bekräftigen. Menschen pilgern also immer mit einem innerlichen und einem äußerlichen Ziel vor Augen. Darüber hinaus machen die Muslime in Mekka – aber auch viele Pilger aus anderen Religionen – die Erfahrung, dass sie zahlreiche Glaubensgeschwister aus aller Welt treffen und so feststellen können, wie bunt und vielfältig ihre Religion ist – auch wenn alle das gleiche, einfache weiße Gewand tragen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Meier, Christian
Christian Meier
Redakteur in der Politik.
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