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Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Warum sich Geschwister so oft streiten

Von Jannik Waidner
 - 12:45
Oft sind es Kleinigkeit, um die sich Geschwister heftig streiten.

Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

Sie begleiten uns ein Leben lang und waren in vielen Momenten dabei, an die wir uns gerne zurückerinnern. Sie standen daneben, als wir uns das erste Mal getraut haben, beide Füße auf die Fahrradpedale zu stellen und sind im Winter mit uns vom Schlitten geflogen. Sie trösten uns, wenn wir traurig sind und unterstützen uns, wenn wir Hilfe brauchen. Sie gehören zu unseren besten Freundinnen und Freunden.

Aber sie haben auch die Sandburg zerstört, an der wir stundenlang gebaut haben, uns an Ostern Schokohasen geklaut und in unserem Zimmer mit dem riesigen Gymnastikball unseren Schreibtisch abgeräumt. Sie wollten immer dabeisein und bei allem mitmachen, wenn wir alleine mit Freunden spielen wollten. Wenn sie jünger sind als wir, haben sie uns dauernd alles nachgemacht, wenn sie älter sind, mussten wir ihre doofen abgelegten Klamotten tragen.

Auch alle Einzelkinder dürften jetzt schon längst erkannt haben, worum es geht: um Geschwister. Etwa achtzig Prozent der Kinder in Deutschland wachsen mit einem Bruder, einer Schwester oder mehreren Geschwistern auf. Und das alles andere als reibungslos. Alle neun Minuten streiten sich Geschwisterkinder im Durchschnitt laut einer Studie. Viele Eltern würden das wohl sofort genervt bestätigen.

Dabei sind Konflikte zwischen Geschwistern in fast allen Fällen gar nichts Schlimmes. Das sagt zumindest der Familienpsychologe und Psychotherapeut Wolfgang Hantel-Quitmann. Streit zwischen Geschwistern werde von Eltern gerne überbewertet. In den allermeisten Fällen handele es sich um ein vollkommen normales Einüben davon, wie ich mit den Interessen meines Gegenübers umgehe. „Das ist ein wichtiger Teil der Entwicklung und bereitet uns auch auf Situationen im Erwachsenenleben vor. Diese Konflikte sind meistens Zeichen für intensive Lernprozesse“, sagt der Psychologe. Wichtig sei aber, dass Kindern auch beigebracht werde, wie man Konflikte konstruktiv löst.

Denn der Streit zwischen Kindern werde nur dann zum ernsthaften Problem, wenn sie in ihrem Umfeld aggressives und abwertendes Verhalten erleben. Zum Beispiel, wenn sich etwa ein Elternteil in Konflikten mit aller Kraft durchsetzen will und Konflikte immer zu seinen Gunsten gelöst werden. „Solche Dominanzkonflikte werden dann von Geschwistern oft nachgespielt“, sagt Hantel-Quitmann. Das sei Eltern dann oft sehr peinlich, wenn sie bei solchen Rollenspielen zusähen. Der negative Einfluss könne aber auch außerhalb der Familie liegen, zum Beispiel in der Schule.

Aber was ist nun eigentlich der Grund, warum Geschwister so oft streiten? Der Psychologe Hartmut Kasten schreibt, das komme vor allem daher, dass Geschwister sich immerzu vergleichen würden. „Die kann das aber besser“, „der darf das und ich nicht“, „die hat etwas, was ich nicht habe“, wer ist Mama-Kind, wer ist Papa-Kind. Dann hängt viel davon ab, ob Eltern das Wetteifern ihrer Kinder noch zusätzlich anstacheln.

Daraus können sich auch regelrechte Streit-Rituale entwickeln, die sich selbst bei erwachsenen Geschwistern zum Beispiel immer wieder an Weihnachten abspielen. Die Rollen, die wir schon als Kind in der Familie hatten, können so manchmal ein Leben lang bestehen bleiben.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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Forscherinnen und Forscher sind sich übrigens nicht darüber einig, ob es nun ein Vorteil oder ein Nachteil ist, mit Geschwistern groß zu werden. Einzelkinder suchen sich nämlich oft Freunde oder Freundinnen, die für sie beinahe wie Geschwister sind. Hantel-Quitmann sieht aber einen klaren Vorteil, wenn Kinder mit einer Schwester oder einem Bruder aufwachsen: „Die Beziehung zu meinem Bruder oder zu meiner Schwester kann ich als Kind nicht aufkündigen“, sagt der Familienpsychologe. Man komme dann nicht daran vorbei, Konflikte irgendwie anzugehen. Außerdem könne man das Streiten in einem sicheren Rahmen lernen. Anders als Freundinnen oder Freunde können Geschwister nicht einfach nach einem Streit den Kontakt abbrechen.

Bei unseren Geschwistern können wir uns von unserer verrücktesten, albernsten und ausgeflipptesten Seite zeigen. Ohne dass wir darüber nachdenken müssen, wie das ankommt. Der Bruder oder die Schwester hat uns ja sowieso schon in fast jeder Situation erlebt. Deswegen freuen sich auch viele erwachsene Geschwister jedes Jahr, wenn sie sich an Weihnachten wiedersehen. Und hoffentlich ist das nicht die einzige Gelegenheit.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Waidner, Jannik
Jannik Waidner
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