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Wie ich lernte, meine Tochter bauchfrei zu akzeptieren

Von Stefanie von Wietersheim
Aktualisiert am 21.07.2020
 - 11:28
Faszination oder Störenfried? Der entblößte Bauch polarisiert innerhalb der Familie. zur Bildergalerie
Es ist Sommer, und junge Frauen zeigen mit Begeisterung ihre Körpermitte. Auch die Tochter unserer Autorin trägt immerzu bauchfrei. Warum nur stört Eltern das so?

Seit drei Monaten sitzt meine 19 Jahre alte Tochter in einem Look am Esstisch, der mich sprachlos macht. Sie trägt bauchfreie Tops, morgens, mittags und abends. Unser Haus ist ein Zentrum der sogenannten „Crop Top Fashion“ geworden. Der nackte Bauch erscheint in einer Bandbreite von zwei bis zehn Zentimetern. Diese ungenierte Bauchparade macht mich fertig, obwohl ich seit langem weiß, dass die seligen Zeiten der Matrosenkleider vorbei sind und ich froh sein kann, dass sie nachts nicht mehr brüllt, sondern Tanzvideos schaut und dabei selbstgemachten Bubble Tea aus Glashalmen schlürft.

So geht es auch meinen Freundinnen, die in den achtziger Jahren zwischen Cher, Alexis Carrington und Princess Di modemäßig sozialisiert wurden – und deren Töchter in dringenden Fällen vor der Schule ihre alten Shirts mit der Küchenschere radikal kürzen, während sie ihren Müttern nachsichtige Vorträge über Spießertum und Body Positivity halten. Die Halbnackt-Kollektionen unserer Töchter sind umfangreich und von allen möglichen Kulturen inspiriert: Sie präsentieren gerippte weiße Shirts zu Hiphop-Hosen in Kunstseide. Mikroskopisch kleine schwarze Jerseyshirts zu ausgestellten Röcken. Dekonstruierte rote Dirndlblusen zu High-Waist-Jeans. Kurze Sari-Blusen zu Hotpants. Dagegen wirken meine eigenen aktuellen Schocker – Leopardenmäntel und bunte Etro-Blusen aus dem Sale – wie Harry Potters Tarnumhang.

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Quelle: F.A.S.
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