FAZ plus ArtikelKlimakrise

Gletscherdämmerung

Von Melanie Mühl
27.07.2019
, 15:48
Der Bisgletscher rutscht schon lange. Das Dorf Randa unterhalb des Weisshorns ist immer wieder von abstürzenden Eismassen bedroht.
Das Eis der Alpen ist verloren, aber die polaren Eismassen sind noch zu retten – und die Zeit drängt. Begegnung mit einem Glaziologen, dessen Forschungsobjekt verschwindet.
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Als Martin Funk das letzte Mal auf dem Rhonegletscher stand, schützte ein großes Vlies die ins Eis geschlagene Touristen-Grotte. Von der Straße aus hatte er den im Wallis auf 2300 Metern über dem Meeresspiegel gelegenen Gletscher nicht sehen können, sondern nur einen See, der durch die Schmelze immer größer wird. Das Eis, das einst mächtig zwischen den Gärsten- und Furkahörnern ruhte und sich während der kleinen Eiszeit 1856 bedrohlich weit in die Ebene schob, hat sich dramatisch zurückgezogen, besonders während der vergangenen Jahrzehnte. Bis zum Gletscher musste Funk also ein paar hundert Meter laufen. Das war im Sommer 2018.

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Als Martin Funk das erste Mal auf dem Rhonegletscher stand, war er Doktorand an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, an der er kürzlich seine Abschiedsvorlesung hielt. Er erforschte, wie sich die Klimaveränderung auf die Gletscherschmelze auswirkt. Bereits von der Straße aus konnte er sein Forschungsobjekt sehen und bewundern, wie der Gletscher in eine Steilstufe hineinfloss und abbrach. „Imposant war das“, sagt Funk. Nichts als Weiß. Kein See, nirgendwo. Niemals hätte Funk sich damals vorstellen können, dass die Gletscher so schnell schmelzen würden, niemand konnte das. „Man ging eher von einem Stillstand aus.“ Die kleine, auf Stangen montierte Box, in der ein Fühler meteorologische Daten wie Strahlung, Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit maß, musste jede Woche geöffnet und Papierrolle sowie Tinte ausgewechselt werden. Das war im Sommer 1979.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Melanie Mühl / Juli 2018
Melanie Mühl
Redakteurin im Feuilleton.
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